untitled | yvi @ the vision
Ali Sethi - Meister der Wünsche.

Ich möchte mich bei vorablesen herzlich für dieses Rezensionsexemplar bedanken.

Klappentext

Gefühle, Liebe, Wünsche -
Das ist der Stoff, aus dem dieser Roman gewebt ist.

Sie wölbte die Hände über den Mund, flüsterte ihren Wunsch, ohne zu überlegen oder zu zögern, blies ihn dann fort und sah zu, wie er in die Nacht hinaufstieg.

Wie Geschwister wachsen der vaterlose Zaki und Samar Api, seine rebellische Cousine, in einem großen bügerlichen Haushalt Lahores auf. An der Spitze der ebenso streitlustigen wie liebevollen Familie stehen Zakis freigeistige Mutter Zakia, die ein engagiertes Frauenmagazin leitet, und seine willensstarke, kulturell eher konservative Großmutter Daadi. Zwei geschickt miteinander verflochtene Erzählstränge führen uns abwechselnd in die 9 / 11 - Gegenwart, als Zaki zur Hochzeit seiner Cousine aus Massachusetts nach Lahore zurückkehrt und in die Jahre der Kindheit, die 90er Jahre, als der Stern Benazir Bhuttos im Steigen begriffen ist und das Land spaltet. Die stürmischen politischen Entwicklungen Pakistans spiegeln und brechen sich im intimen Prisma dieser verzweigten Familiengeschichte, doch der Puls des Lebens schlägt im Kleinen. Sethis Charaktere erfreuen sich des Lebens, selbst wenn alles dagegen spricht. Ist der direkte Weg verschlossen, einen Umweg gibt es immer, egal ob es sich um das Militärgericht handelt, um islamische Gebote oder Familienregeln. Alkohol und Bars mögen verboten sein, aber jedes Viertel hat seinen Schmuggler:
Im Untergrund geht alles und jeder macht alles. So kann der explosive Cocktail aus Zwängen und Gewalt, mit dem Zaki und Samar Api aufwachsen, ihnen nichts anhaben -
Sie sind stark, sie besitzen die Kraft des Wünschens, sie drängen in die Welt der Erwachsenen, in eine gerechtere Zukunft, ins Leben.
Wie ein breiter Fluss strömt Ali Sethis Erzählung dahin -
Eine Liebeserklärung an unvergessliche Figuren und an ein Land, das man hinter den dramatischen Nachrichten plötzlich begierig zu sehen, zu riechen, zu fühlen beginnt.


Der Autor

Ali Sethi wurde 1984 in Lahore geboren und ist der Sohn eines Chefredakteurs und einer Mutter, der das kritische Wochenmagazin "The Friday Times" gehört. Nachdem er bis 2006 in Harvard Englische Literatur und South Asian Studies studiert hatte, zog es ihn wieder in die Stadt seiner Geburt zurück. Aufgrund ihres offenen Gedankenguts hatte die Familie mit Drohungen aus fundamentalistischen Kreisen zu kämpfen, so wurde Sethis Vater schon mehrfach verhaftet und gefoltert.

Persönlicher Eindruck

Ich mochte den Meister der Wünsche sehr gerne.

Sethi ist es auf faszinierende Weise gelungen, ein breites Spektrum von Charakteren und den Lebenswegen zu entwerfen, die sie im Laufe der Zeit beschreiten. Anfangs eher verwirrend nehmen sie einen nach einer Weile allesamt gefangen:

Die Figuren sind vom Sohn bis zur Großmutter, von der Cousine bis zum Onkel allesamt authentisch, detailliert und individuell, vor allem aber auch mit sehr viel Liebe und Wärme beschrieben. Das gelingt nicht jedem Schriftsteller und auch die Art, wie er schreibt, fasziniert einen an dem jungen Autor wirklich.

Man taucht in die Geschichte hinein, lässt sich in etwas sehr Warmes und Geborgenes hineingleiten.
Das Lesen selbst kam mir wie ein Fluss vor, dem man über die 500 Seiten hinweg einfach folgt. Man lässt sich von ihm tragen und lauscht Sethi, wenn er vom Anfang des Buches - dem aktuellen Zeitpunkt zur Hochzeit seiner Cousine - weit in die Vergangenheit zurückgeht und von den Schicksalen seiner Mutter Zakia und anderen berichtet. Man weiß von den Schicksalsfacetten, die seinem Vater zugestoßen sind, wie sich die Beziehung zu seiner Cousine entwickelt hat ...

Allesamt faszinierende Einzelstränge des Romans, einzelne Wege, die man als Leser mit dem Autor gemeinsam beschreitet.
Woran es Sethi sicher nicht mangelt, sind Kreativität, Talent und die Liebe zum Schreiben und zu den eigenen Geschichten und Figuren. (Ich würde gerne wissen, wieviel von dem Roman autobiografisch ist ... So erzählen kann man eigentlich fast nur, wenn man die Dinge selbst erlebt hat.)

Gerade durch diese Nähe einer fremden Kultur drängt sich der Vergleich auf, dass Sethis Werk ein wenig an die Meisterstücke Khaled Hosseinis erinnert. Eigentlich bin ich in der Welt der Literatur gegen solche Vergleiche, weil sie kaum aussagekräftig sind aufgrund der verschiedenen Empfindungen, was gut Geschriebenes ist ... Aber durch das Vorwort auf dem Cover (welches übrigens bildschön ist!) drängt sich diese Parallele ein wenig auf.
Hosseini hat mir mit seinen beiden Literaturwundern mehr gefallen, dort war mehr Tempo, mehr Spannung und mehr Hintergrund enthalten. Letzteren habe ich im Meister der Wünsche etwas vermisst. Zwar merkt man schon deutlich den Einfluss des Heimatlandes auf Geschehen und Figuren, aber eher "im Kleinen" ... Nämlich im Rahmen der Familiensaga.

Spannung ist nicht unbedingt ein Element dieses Romans. Aber diese Tatsache wird duch die individuellen Figuren, den Erzählstil und die überwältigende Wärme des Romans so wettgemacht, dass sie mir kaum gefehlt hat.

/
12.8.10 01:02
 


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