untitled | yvi @ the vision
Yasmina Khadra - Die Schuld des Tages an die Nacht.

Ich möchte mich bei vorablesen herzlich für dieses Rezensionsexemplar bedanken.

Klappentext

Wenn eine Frau dich liebt und du ermessen kannst, was dieses Geschenk bedeutet, dann reicht kein Gott an dich heran.

An der Küste Algeriens wächst ein arabischer Junge im französischen Viertel der Stadt Rio Salado auf. Über Jahrzehnte hinweg wird das bewegende Schicksal von Jonas und seiner großen Liebe Émilie zum Symbol für das dramatische Verhältnis von Orient und Okzident und die nie versiegende Hoffnung auf Versöhnung. Yasmina Khadra ist mit seinem neuen Roman ein großer Epos über die Sehnsucht zwischen zwei Welten gelungen.


Der Autor

Yasmina Khadra fungiert als Künstlername des 1955 geborenen Autors Mohammed Moulessehoul. Aufgrund der hohen Zensurbestimmungen und seiner beruflichen Stellung in der algerischen Armee veröffentlichte er seine ersten beiden Romane unter dem Namen seiner Frau. Nachdem er im Jahre 2000 mit seiner Familie ins Exil nach Frankreich ging, lüftete er das Geheimnis. Der Autor lebt heute in Paris, seine Bücher sind in 39 Sprachen erschienen und er zählt zu den wichtigsten Stimmen der arabischen Welt.

Persönlicher Eindruck

Die Schuld des Tages an die Nacht erzählt die Lebensgeschichte von Jonas und Younes, einer Person, zweier Herzen und Identitäten. In der Zeit eines ganzen Lebens verliert er geliebte Menschen an seiner Seite und die Gewissheit, wohin seine Person eigentlich gehört, welches Volk das seine ist, wem er eigentlich die Treue schuldig geblieben ist:

Sich selbst, seiner Liebe, seinen Freunden, seinem Volk ... Oder doch eher dem durstigen Wunsch nach der Unabhängigkeit und Unterdrücksungsrevolte einer ganzen Nation?

Dieses Meisterwerk Yasmina Khadras ist jedoch viel mehr als nur ein Identitätsroman.
Es ist zarte Liebesgeschichte und berichtet von einer Liebe, die nie ganz geboren wurde.
Es ist Familienroman und offenbart uns eine Familie, die am Ende gar nicht mehr existiert ... Zumindest nicht außerhalb der Gedanken und Erinnerungen unserer Lebenden. Sehr schön und eigentlich perfekt drückt der Protagonist es zum Schluss des Romanes selbst aus:
Und da stehen sie alle, die Toten und Lebenden, vollständig hinter der Glaswand versammelt, und winken mir zum Abschied zu.

Ich war schnell vollkommen gefesselt von dieser Geschichte eines fernen Landes, eines Volkes, von dem man außerhalb der historischen Daten kaum etwas weiß. Vor allem aber auch von den Charakteren selbst, die Khadra in seinem Roman lebendig machte. Ich bin selten so authentischen, unterschiedlichen und warmherzigen, aber auch sehr seltsamen Charakteren begegnet. Irritiert hat mich vor allem Jonas selbst - dies ist auch der einzige Kritikpunkt, den ich in dieser wahnsinnig echten Geschichte finden konnte:

Jonas bleibt über die ganzen fast 420 Seiten hinweg ein Mensch, der kaum Emotionen nach Außen hin frei lässt, ein wenig blass. Fast stoisch lässt er die Liebe seines Lebens für ein (falsches?) Gefühl der Ehre gehen, liebt sie bis an sein Lebensende nur noch in Gedanken. Das hat eine Traurigkeit, dass mich der Roman fast weinen ließ.

Allgemein ist er von einer kaum auszuhaltenden Melancholie und Traurigkeit durchzogen, die einen im tiefsten Inneren erfasst. Es bedarf dafür keiner Kunstgriffe des Massentodes, sondern lediglich des Schreibstils Khadras, der seine Protagonisten so leben und sterben lässt, dass sie am Ende von ihrer Einsamkeit fast verschlungen werden, von ihrer Traurigkeit überrollt, von ihrer verlorenen Liebe bis in den Wahnsinn verfolgt werden. Es gab zuviele Melancholiemomente, um sie alle aufzuzählen (einer der schönsten war für mich der, als Jonas die vertrocknete Blüte über Émilies Grabeserde ausstreut), zuviele tolle Formulierungen, um sich an sie alle zu erinnern.

Khadra hat mit diesem Werk die empfindlichste Stelle des Lesers getroffen:
Das Innerste seines Herzens.
Er hat einen faszinierenden Roman über die Liebe und den Hass in unserem Leben geschrieben, das sich Erinnern und Vergessen, die Freundschaft, Liebe und das Ehrgefühl, den falschen Stolz und die Sogwirkung der Revolution.

Sein Werk zählt ganz offiziell zu meinen liebsten Lektüren, ich würde es vorbehaltlos weiterempfehlen.

13.8.10 13:55
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Maximilian (12.1.12 21:42)
dieses bucht hat mich zu tränen gerührt, gleichzeitig aber auch sehr wütend gemacht.

das einzigste was zählt auf dieser welt ist die liebe. liebe in jeder existierender form. der liebe ist es egal welche religion man hat. liebe kennt keine gesetze. liebe gibt dir das recht, tradition zu brechen.

wir menschen sagen so viel wenn der tag lang ist. aber das wesentliche bleibt meistens im verborgenen.

jonas tut mir so leid.

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen
Gratis bloggen bei
myblog.de