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Die Einsamkeit der Primzahlen - Paolo Giordano.

Bevor ich das Buch Paolo Giordanos gelesen habe, stand es lange und hoch auf meiner Wunschliste. Es klang so melancholisch und gut ...
Und das war es letztlich auch.

Klappentext

"Mattia hatte gelernt, dass es Paare von Primzahlen gab, zwischen denen immer eine gerade Zahl stand, die verhinderte, dass sie sich berührten. In Mattias Augen waren sie beide, Alice und er, genau dies:
Primzahlen, allein und verloren, sich nahe, aber doch nicht nahe genug, um einander wirklich berühren zu können."

Paolo Giordano findet unvergessliche Bilder und Gesten für die verschlungenen Wege, auf denen die Dramen der Kindheit in uns fortwirken, und erzählt mit meisterhafter Spannung von zwei Menschen, die das Schicksal füreinander bestimmt zu haben scheint.
Es ist der große Roman einer unvollendeten Liebe.


Der Autor

Paolo Giordano wurde 1982 im italienischen Turin geboren, wo er später Physik studierte und auch lehrte. Sein Romandebüt Die Einsamkeit der Primzahlen war das meistverkaufte Buch Italiens im Jahre 2008 und machte ihn zum jüngsten Preisträger in der sechzigjährigen Geschichte des Premio Strego, dem wichtigsten Literaturpreis Italiens. Sein Roman wurde bisher in 26 Ländern verkauft.

Persönlicher Eindruck

Was Paolo Giordano hier geschrieben hat, ist ein sehr traurig-melancholischer Roman. In seinem Mittelpunkt stehen Alice Della Rocca und Mattia Balossino, zwei in ihrer Kindheit so tief verletzte Seelen, dass für sie ein gewöhnlicher Lebensweg nicht mehr infrage kommt.
Alice ist noch jung, als ein Skiunfall, bei dem ihr allzu ehrgeiziger Vater eine tragende Rolle spielt, ihr linkes Bein lähmt und die Balance zwischen Körper und Seele des Mädchens vollkommen zerstört. In den Jahren, die noch folgen, soll sie nie mehr ganz von diesem Ungleichgewicht loskommen, welches sich in Form der Magersucht auf ihren Rippen abzeichnet.
Ungefähr zur gleichen Zeit entscheidet sich der kleine Mattia, seine geistig behinderte Zwillingsschwester Michela für ein paar Stunden auf einer Parkbank warten zu lassen. Das Mädchen taucht nie wieder auf und es ist der Geist dieser Schuld, der Mattia in die Krankheit der Selbstverletzung treibt.

Es sind zwei sehr unterschiedliche Arten der Erlebnisse, aber beide machen sie die Protagonisten zu sehr einsamen, verletzlichen Seelen, die so gar nicht mit den Erwartungen des Alltags zurechtkommen wollen. Sie vereinsamen, ziehen sich zurück und es will ihnen nie so recht gelingen, einen Platz in dieser langen Folge von Tagen und Monaten zu finden, mit welchen sich ihr Leben strukturieren lässt. Sie sind wie Primzahlen in einer Zahlenreihe.

In Giordanos Romandebüt begleitet man Alice und Mattia von den Kinderschuhen bis in die Anfänge ihrer 30er Jahre hinein und dadurch erscheinen sie einem sehr vertraut in dem, was sie tun und wie sie fühlen. Sie sind beide keine oberflächlich gezeichneten Charaktere, sondern sehr tief, sehr menschlich und man hat das Gefühl, dass sie einem beim Lesen nahe sind in all ihrer Sonderbarkeit und Einsamkeit. Sie sind Protagonisten, die man gerne trösten und denen man sehr gerne dann helfen würde, wenn sie es gegenseitig nicht mehr können.
Es war vor allem schön zu lesen, dass sie bei all ihrer Zurückgezogenheit immer alles stehen und liegen gelassen hätten, um bei dem anderen Primzahlzwilling zu sein. Dabei war es egal, ob sie einander fünf Tage oder fünf Jahre nicht gesehen hatten, ihre Verbindung blieb stets bestehen, was sie zu etwas sehr Beruhigendem, zu einer Art Konstanten machte.

Ich möchte das Buch mit fünf Sternen bewerten und es zu meinen liebsten Werken hinzufügen, die ich jemals gelesen habe. Es hat mir gefallen, dass Giordano nicht auf alle Fragen antwortete, die er aufwarf, einiges unausgesprochen in der Luft hängen ließ und wieder anderes der Interpretationsfreiheit des Lesers überließ (wie zum Beispiel Alices Begegnung an den Glastüren des Krankenhauses zum Ende des Romans).
Die Einsamkeit der Primzahlen ist für mich eines der traurigsten und gelungensten Bücher, die ich jemals lesen durfte.

22.8.10 15:10
 


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