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High Times (Mein wildes Leben) - Uschi Obermaier und Olaf Kraemer.

Von Uschi Obermaier kannte ich vor dem Lesen ihrer Biografie nicht sehr viel mehr als nur ihren Namen, aber die Zeit, in der sie lebte und liebte, fasziniert mich schon seit dem Geschichtsunterricht. Ich wollte alles und noch viel mehr über die Zeit der 68er-Bewegung lesen, über die Befreiung von verstaubten Gedanken, über Rebellion und jugendlichen Leichtsinn, Engagement, Grenzgänger und den Wandel.
Dieses Buch erzählte mir mit der Stimme Uschi Obermaiers davon.

Klappentext

"Ich wollte alles von dieser Welt."

Uschi Obermaier war DIE Galionsfigur der Gegenkultur, Pop-Ikone der 60er- und 70er-Jahre, Pin-up der Studentenrevolte, wurde berühmt und begehrt als Model und Covergirl, Filmstar, Groupie und Geliebte -
ohne sich dabei jemals in eine Schublade stecken zu lassen. Ihr Leben zwischen Sex, Drugs und Rock'n'Roll war wie ein realer Roadmovie - rasant, übertourig und losgelöst von allen Fesseln bürgerlicher Konventionen. In dieser mitreißenden, reich bebilderten Autobiografie erzählt Uschi Obermaier erstmals völlig ungeschminkt, wie ihr Leben wirklich war.


Der Autor und die Frau, mit der er sprach

Olaf Kraemer wurde 1959 geboren und lernte Uschi Obermaier später in Kalifornien kennen. Die Grundlage zu ihrer Autobiografie bildeten gemeinsame Interviews seit dem Jahr 1992, dennoch standen der Veröffentlichung des Manuskriptes noch einige Hindernisse im Wege:
Mit der ersten Ausarbeitung war Uschi selbst nicht zufrieden, später fand sich kein Verlag und Kritikerstimmen wurden allzu laut, dass man eine Frau wie Frau Obermaier doch nicht so frei reden lassen dürfe, sie würde sich ja selbst ans offene Messer liefern.
Irgendwann nahm sich jedoch der Verlag Heyne des Manuskriptes an und es kam zur Buch- und sogar zur Filmverwirklichung über das wilde Leben der Uschi Obermaier.

Persönlicher Eindruck

So wie sich die Stimmen der Kritiker und Bewunderer der Persönlichkeit Uschi Obermaiers spalten, so fühle auch ich mich nach dem Lesen ihrer Biografie wie balancierend auf einer Mauer zwischen zwei Seiten.

Einerseits ist da die Faszination, die diese Frau ausstrahlte.
Sie war keine aufgesetzte Rebellin, keine erzwungene Intellektuelle und kein Mädchen, das ihr Fähnchen nach dem Wind drehte. Aus jedem Wort dieser Seiten und aus jeder Mimik auf den Fotografien hat man das Gefühl, es spricht ein echter Mensch in all seiner Authentizität und lässt sein Leben Revue passieren. Das ist wahrscheinlich der Punkt, der mich während des Lesens am stärksten beeindruckt hat.
Dabei war sicher nicht alles gelungen, was sie sich in ihrer Echtheit leistete und eroberte:
Sie zehrte nicht nur aus der Provokation, sondern auch aus Drogen und Liebesaffären. Aber ganz egal, was Uschi Obermaier tat, sie vollführte die Dinge in tiefster Überzeugung ihrer Person und sah über den Staub der Moral hinweg, der ab und an auch zur Zeit der sexuellen und gedanklichen Befreiung noch auf ihrem Weg aufwallte.
Ich mag dieses Grenzgängertum und die Tatsache, dass sie ihr Leben so wild lebte, weil sie es so sehr liebte.

Kehrt man die Medaille einmal um, wirft man in dieser Bewegung aber auch Fragen auf.
Zum Beispiel diese, wieviel von dem Zeitgeist der 68er Uschi Obermaier wirklich symbolisierte. Auf den ganzen 217 Seiten findet Politik, die sich damals in einem rasanten Wandel und einer interessanten Zeit befand, mit kaum einem Wort Erwähnung. Sie war politisch nie aktiv, doch nimmt das noch Einfluss auf den Menschen, der sie war?

"Ich wollte alles von dieser Welt."

Diese Worte ihrerseits haben mich tief beeindruckt. Auch wenn es Uschi nie so sehr um die Politik ging, sie hat ihr Leben genutzt, um soviel wie möglich daraus mitzunehmen, zu lieben, zu sehen, zu genießen, zu reisen und alles, alles so intensiv wie nur möglich zu fühlen und zu erleben.
Um also mit diesen Eindrücken auf die aufgeworfene Frage zu antworten:
Nein, so tragisch ist das nicht, dass Politik in diesem Werk kaum Gehör findet. Es wird nicht einsam bleiben, denn diesem Thema haben sich zahlreiche andere Recherchen angenommen.

Ich habe insgesamt nur zwei knappe Tage gebraucht, um das Buch auszulesen. Sie reichten trotz der Längen zum Ende hin aus, um mir eine faszinierende Frau zu beschreiben, die ihr Leben stets so versucht hat zu leben, dass sie es im Nachhinein lieben konnte. Wenn diese Biografie mich auch nicht ganz überzeugen konnte, so hat sie mir zumindest interessante Einblicke in eine aufregende Zeit gegeben und das Bild einer Persönlichkeit näher gebracht, mit der ich gerne bei einem Kaffee und einer Zigarette über ihr Leben gesprochen hätte.

Ich möchte mit dem schönsten Zitat enden, das mir in der Biografie Uschi Obermaiers, dieser so faszinierenden Grenzgängerin, begegnet ist:

"Wir glaubten an Märchen, also passierten uns Märchen."

/
24.8.10 01:17
 


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