untitled | yvi @ the vision
Zebraland - Marlene Röder.

Ich möchte mich herzlich beim Ravensburger Buchverlag für ein Rezensionsexemplar dieses ganz besonderen Buches bedanken.

Klappentext

"Hätte ich damals gewusst, was auf mich zukommt, wäre ich zu Hause geblieben. Ich hätte mir die Bettdecke über den Kopf gezogen und mit angehaltenem Atem gewartet."
"Gewartet? Worauf?"
"Darauf, dass dieser Kipppunkt in meinem Leben harmlos verstreicht. Nichts, nichts auf der Welt hätte mich dazu gebracht, auf dieses Festival zu fahren. Aber damals ahnte ich noch nicht, wie Normalität von einer Sekunde auf die andere zu etwas so Ungeheuerlichem werden kann ..."

Sommer, Sonne, Raggae -
es war einfach alles perfekt an jenem Abend im August. Doch wie gern würden Judith, Philipp und Anouk genau diesen Abend aus ihrem Leben streichen.
Den Abend, an dem sie unter freiem Himmel zu Bob Marley tanzten.
Den Abend, an dem sie Yasmin töteten.
Ein tragisches Unglück. Keine Zeugen.
Ein Schweigegelübde wird für die Freunde zur moralischen Zerreißprobe. Angst und Schuldgefühle wiegen immer schwerer - verkehren Vertrauen in Misstrauen, Stärke in Schwäche, Liebe in Hass ...


Die Autorin

Marlene Röder, geboren im Jahre 1983, schreibt seit ihrem 14. Lebensjahr und lebt und studiert heute in Gießen. Ihr erster Roman Im Fluss wurde mit dem Hans-im-Glück-Preis der Stadt Limburg ausgezeichnet.

Persönlicher Eindruck

Ich habe dieses Buch innerhalb einer Nacht ausgelesen, mit müden Augen bis zum Schluss die Seiten umgeblättert. Die Atmosphäre war authentisch, die Stimmung dicht und packend.
Was mich noch mehr als die zentrale Frage nach der Schuld und dem Umgang mit ihr beschäftigte, war der Moment des Autounfalls, der so schnell und so unerwartet kam.

"Im ersten Moment blieben wir alle reglos sitzen. Vielleicht habe ich mir das nur eingebildet, dachte ich. Es ist gar nichts passiert.
Aber dann brach das totale Chaos aus. Alle schrien durcheinander. Judith riss die Tür auf und sprang aus dem Auto. Philipp und ich folgten ihr. Nur Anouk blieb sitzen, die Lider fest zusammengepresst."


Mehr Worte braucht es gar nicht, um diese Schrecksekunden zu beschreiben.
Das Buch ging mir so nahe, weil dieser Moment mich tief berührt hat. Ich hatte vor einigen Wochen selbst einen Autounfall, bei dem ich hinter dem Steuer saß, das Auto voller Freunde. Dass es bei uns keinen Personenschaden gab, nur verschrottungsreifes Blech, war pures Glück und die intensive Arbeit von fünf sehr zuverlässigen Schutzengeln. Ich habe mich beim Lesen sofort in diesen Wagen zurückversetzt gefühlt, in diese Schockstarre und das Gefühl, dass man neben sich steht und eine Person beobachtet, die nur so aussieht und agiert wie man selbst, aber nicht sie zu sein. Und genauso wie im Auto der vier jungen Menschen hat auch mich zuerst die Frage eines Freundes in die Realität zurückgeholt:

"Geht es allen gut?"

Übrigens kamen auch wir von einem Reggae-Konzert, die Parallelen sind unheimlich. Doch hier trennen sie sich auch, denn die Schuldfrage stellte sich uns nie.
Ich fand den Umgang Marlene Röders mit dieser sehr gut und interessant. Sie klagt nicht direkt an, sondern entwickelt in ihren Charakteren ein Eigenleben, in dem jeder von ihnen für sich selbst und sein Gewissen mit dem unglücklichen Tod des Mädchens umgeht, der so schnell und unerwartet kam. Ein Moment, ein einzelner Fehler ... Soviele Konsequenzen. Das Geschehen und die Emotionen haben mich gepackt wie selten eine Geschichte vor ihr.

Spannender als zuvor wurde es dann mit dem Auftauchen von Mose und seinen Aufträgen, die das scheinbare Ziel hatten, die Schuld der vier Freunde zu sühnen. Ich muss zugeben, dass ich die Auflösung des Romans zwar einmal kurz erahnt habe, aber bis zum Schluss dann doch auf einer falschen Fährte und somit überrascht war, als es dann zum großen Showdown kam. Chapeau, Frau Röder.

Ich würde das Buch gerne mit 4 von 5 Sternen bewerten, denn es hat mich gefesselt und mich beeindruckt, mich emotional mitgerissen und erschien mir authentisch in seiner Geschichte und auch seinen Protagonisten. Gut gewählte Gesichter, unerfahren und ängstlich in ihrer Jugend, aber voller Ideale in dieser Konfliktsituation. Ich habe ihnen ihre Geschichte geglaubt, in Gedanken die Songs Bob Marleys gehört, mich in ihnen verloren und daran gedacht, dass ich ebenso wie sie die Journalistik liebe. Es waren junge Menschen, dir mir als Leserin nahe waren, in all ihrer Angst, ihrem Schrecken und sicher auch ihrem schlussendlichen Mut.

/
30.8.10 13:20
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Martina / Website (31.8.10 19:39)
Das Buch habe ich auch sehr interessiert gelesen.

Schöne Vorstellung!

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