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Neele ist da geblieben - Liane von Droste.

Dieses Buch liegt mir persönlich sehr am Herzen, weil es mich im Rahmen meines sozialen Jahres ganz direkt berührt. Als ich mich Ende Juli in meiner Einrichtung vorstellte, war ich so früh dort, dass ich noch einiges an Luft bis zum eigentlichen Termin zur Verfügung hatte. In dieser Zeit hat sich die nette Dame am Empfang meiner angenommen, wir haben uns unterhalten und sie hat mir dieses Buch hier ans Herz gelegt und geschenkt. Sie meinte, sie würde bereits ein zweites Exemplar davon besitzen.
Ich war neugierig, von welchen Schicksalen mir Neele ist da geblieben erzählen würde ... Letztendlich haben sie mich tief berührt.

Klappentext

Sie sind erst wenige Monate alt oder hundert Jahre, sind Teenager, junge Erwachsene oder vor kurzem in Rente gegangen. Was sie verbindet, ist eine Einschränkung in der Beweglichkeit oder auch die Erfahrung des Andersseins. Nicht alle Menschen in diesem Buch sind im klassischen Sinn "behindert". Alle aber werden behindert -
von unüberwindlichen Stufen, Vorurteilen, zu kleinen Buchstaben oder von Menschen, die über die Kosten für die Rollstuhlreparatur, einen Platz im Kindergarten oder den Neigungswinkel einer Rampe zu entscheiden haben.
Ina, Klara, Metin und Waldemar, die im Mittelpunkt der Portraits und Reportagen stehen, geben im Gespräch mit der Autorin Einblick in ihren Alltag und in ihre Gedanken. Sie erleben Banales und Dramatisches, sind fröhlich oder traurig, für viele von ihnen erleichtern medizinischer Fortschritt oder das Internet die Teilnahme am Leben und den Kontakt mit anderen.

Ein Buch wider die Barrieren in den Köpfen.


Die Autorin

Liane von Droste wird 1959 geboren und widmet einen großen Teil ihres Lebens dem Schreiben. Sie war bereits als Volontärin, Redakteurin, selbstständige Journalistin, Dozentin und Autorin tätig. Nach dem Flüsschen, an dem sie geboren wurde, nannte sie ihren Verlag, den sie 2010 gründete:
edition steinlach.

Persönlicher Eindruck

Eine Rezension zu diesem sehr persönlichen Buch zu schreiben fällt mir schwerer, als meine vorangegangenen Leseeindrücke zu gewöhnlichen Romanen in Worte zu fassen.
Ich habe vergangenen Mittwoch mit meinem FSJ bei der Körperbehindertenförderung begonnen und im Rahmen von diesem Neele ist da geblieben gelesen. Einfach, weil ich mehr von den Menschen erfahren wollte, mit denen ich in den kommenden Monaten zusammenarbeiten werde. Einige der von Liane von Droste vorgestellten Leute kannte ich durch mein Einführungsseminar sogar schon flüchtig, das Buch hatte also einfach eine komplett andere emotionale Tragweite.
Es war sehr viel persönlicher, sehr viel direkter. Wie ein Gespräch. Das hat es schwer gemacht, das Buch in einem Fluss zu lesen, denn ich wollte alles daraus mitnehmen. Jede einzelne Geschichte, jedes Schicksal, jedes Interview. Ich wollte die Seiten nicht nur überfliegen, sondern ich wollte den Menschen, die darin sprechen, vollkommenes Gehör schenken. Sie haben mich in ihrer Offenheit und oft auch ihrem Mut und ihrer Lebensfreude tief beeindruckt.

Ich stehe noch ganz am Anfang von meinem FSJ.
Bisher habe ich noch keine persönlichen Erfahrungen gesammelt - positive oder negative - und in den Einführungsseminaren gemeinsam mit anderen Neulingen nur den Worten der Leute gelauscht, die in diesem Feld um einiges erfahrener sind als wir. Ich bin sehr gespannt darauf, welche Erlebnisse das kommende Jahr mit sich bringen wird, wie es mich zeichnen wird und wie ich daran wachsen werde.

Einen ersten Schritt in diese Richtung hat mich Lianes Buch gelenkt. Es war aufrichtig, offen und es hat meinen Blick schon jetzt für das geschärft, was die Autorin und einer der Porträtierten die Barrieren in den Köpfen genannt haben.
Ich finde, diese Umschreibung ist sehr klug gewählt und lege das Buch jedem ans Herz, der sich für Menschen und ihre vielfältigen Schicksale interessiert.

/
7.9.10 00:42
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Martina / Website (7.9.10 10:04)
Das klingt nach einem sehr bewegenden Buch und deine Rezi darüber ist sehr einfühlsam und schön!

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