untitled | yvi @ the vision
Die Dienstagsfrauen - Monika Peetz.

Ich möchte mich ganz herzlich bei vorablesen für ein Rezensionsexemplar dieses so erfrischenden Buches bedanken.

Klappentext

Seit 15 Jahren sind sie beste Freundinnen. Jeden ersten Dienstag im Monat treffen sich die fünf Frauen bei ihrem Lieblingsfranzosen, und einmal im Jahr vergnügen sie sich auf einem gemeinsamen Wochenendtrip. Doch in diesem Jahr ist alles anders:
Judith, frisch verwitwet, will auf den Spuren ihres verstorbenen Mannes nach Lourdes pilgern.
Besorgt um die trauernde Freundin, beschließen die Dienstagsfrauen, Judith auf dem Jakobsweg zu begleiten. Schritt für Schritt kommen die fünf Frauen dabei einem Geheimnis auf die Spur, das ihrer aller Leben durcheinanderwirbelt und ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellt.


Die Autorin

Monika Peetz wurde 1963 geboren und studierte Germanistik, Kommunikationswissenschaften und Philosophie in München. Ihre Leidenschaft für Sprache lebte sie außerdem als Dramaturgin, Redakteurin beim Bayrischen Rundfunk und Drehbuchautorin aus.

Persönlicher Eindruck

Nach Herta Müllers Atemschaukel habe ich ein Buch gebraucht, das die Gedanken leichter macht, vor dem Schlafengehen nicht ganz so schwer wiegt. Monika Peetz' Dienstagsfrauen waren dafür perfekt, ohne oberflächlich zu sein und so dem typischen Klischee eines Frauenromanes zu entsprechen.

Da wäre zum einen Caroline, erfolgreiche Anwältin, Ehefrau, Mutter und Freundin. Durch die Lügenkonstrukte ihres Berufsalltages abgehärtet, wahrt sie stets Contenance und Perfektion und fängt damit ihre Freundinnen auf, wann immer deren Leben aus den Fugen zu geraten droht.
Dies ist vor allem bei Judith der Fall. Nachdem sie ihren Ehemann Arne nach seinem langen Krebsleiden beerdigt hat, will es ihr so gar nicht mehr gelingen, ihr Leben ohne ihn erneut zu ordnen. Sie trauert und verliert sich darin, verliert sich selbst und allen Lebensmut. Die Pilgerreise nach Lourdes, die Judith mehr für ihn als für sich selbst unternimmt, soll ihr endlich Traurigkeit und Schuld nehmen.
Diesen beiden Freundinnen schließen sich die anderen drei Dienstagsfrauen mehr oder minder gerne an.
Eva, Vollzeithausfrau, Märchenerzählerin, Kinderchauffeurin und inzwischen vollkommen überforderte Ehefrau und Mutter.
Estelle, die den Luxus liebt.
Und Paradiesvogel und Küken Kiki, die bis nach Frankreich von ihrer Liebe verfolgt wird, vor der sie eigentlich zu flüchten geplant hatte. Vor allem sie habe ich während dem Lesen sehr ins Herz geschlossen.

Was Monika Peetz' Roman von anderen dieser Sparte unterscheidet, ist der federleichte Humor und die Menschlichkeit der Protagonistinnen. Sie verlieren sich nicht in schnulzigen Dialogen mit dem unerreichbaren Liebsten, ihre Worte triefen nicht vor Übertreibungen und Kitsch.
Stattdessen lauscht man nur zu gerne der spitzen Zunge Estelles, feuert innerlich die überforderte Eva an, durchzuhalten, und schaut Kiki bei ihren Entwürfen für eine neue Vasenserie für Ikea über die Schulter, zu der sie der herausfordernde Pilgerweg inspirieren soll.

Genau diese Idee gefiel mir übrigens sehr:
Ich bin alles andere als katholisch, gläubig oder demütig, aber die Art und Weise, wie die Autorin mir Lourdes, die Lichterprozession, Menschlichkeit und Anteilnahme, Selbstfindung und Pilgerkilometer beschrieb, hat mich tief beeindruckt. Ich konnte die Momentaufnahmen vor mir sehen, die Gerüche von Cassoulet und Regen in mich aufnehmen, der Geräuschkulisse lauschen. Die Dienstagsfrauen haben in mir den Wunsch geweckt, Lourdes zu sehen und selbst fühlen zu können.
Wer weiß, vielleicht irgendwann.
Bis dahin haben mir die Dienstagsfrauen auf ihrem 320 Seiten langen Weg Freude bereitet, mich zum Lachen und fast zum Weinen gebracht. Sie waren gelungen.

/
19.12.10 14:36
 


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