untitled | yvi @ the vision
Feldmans Frauen - Kate Christensen.

Mein herzlicher Dank gilt Droemer / Knaur, die mir durch ein Leseexemplar dieses so hingebungsvollen Buches eine Rezension erst ermöglicht haben.

Klappentext

"Wenn ich an Kunst denke, denke ich an Frauen.
Frauen sind das Geheimnis des Lebens."

Und so dreht sich bei den Frauen alles nur um ihn. Dabei ist er längst tot. Doch immer noch kreisen die Gedanken seiner Frau, seiner Geliebten und seiner Schwester um "ihren" Oscar Feldman, den berühmten New Yorker Künstler, der vor allem eins gemalt hat:
nackte Frauen. Als nun eine Biographie über den großen Meister erscheinen soll, nutzen die älteren Damen die Gunst der Stunde, um mit einem Mythos so richtig aufzuräumen ...


Die Autorin

Kate Christensen wurde 1962 geboren und lebt heute in Brooklyn, New York. Für Feldmans Frauen gewann sie 2008 den renommierten Pen / Faulkner Award für das beste US-Buch des Jahres. Neben ihren Romanen ist Christensen außerdem bekannt für ihre Kurzgeschichten, Essays und Rezensionen.

Persönlicher Eindruck

Oscar Feldmans Frauen sind ihm alle auf ihre ganz eigene Art verfallen und auch seinem schon fünf Jahre alten Tod gelingt es nicht, diese Verbindungen zu durchtrennen. Noch immer wirft er Erinnerungsschatten auf ihrer aller Leben, lässt die alten Damen sentimental werden, in Gedanken noch einmal jung sein und macht sie so zu Verbündeten an einer Front, an der sie eigentlich nie gemeinsam kämpfen wollten.

Da wäre als Erste seine Frau Abigail Feldman, in die sich Oscar vielleicht - vielleicht auch nicht - schon auf der High School verliebte. Er fotografierte sie als junges Mädchen, sie gingen aus und waren sich als Kumpel, wie sie es nannte, nahe. So nahe, dass sie zu Mann und Frau wurden und Bett und Küchennische teilten.
Neben Abigail gründete Oscar eine zweite Familie mit Claire St. Cloud, die im Laufe des Romans von allen nur liebevoll Teddy genannt wird. Sie gebärt ihm Zwillingstöchter, sie wird von ihm geliebt und begehrt und behält doch nur ein Leben lang die fast unwürdige Rolle der unverfänglichen Geliebten.
Die dritte und letzte Stimme gehört Oscars älterer Schwester Maxine, ebenfalls Künstlerin. Sie ist wahrscheinlich die einzige Frau im ganzen Romanverlauf, die ihren Bruder nicht durch den verklärten Schleier aus hingebungsvoller Begierde und sexueller Lust sieht, ihn nicht als den Mann wahrnimmt, der er ist.

Feldmans Frauen war ein großartiges Buch, so vielschichtig und klug. Als ein Mädchen, das ein wenig ihren persönlichen Oscar Feldman hat, war es für mich eine große Faszination, wie all diese Frauen diesem Herzensammler verfallen konnten:
Er war weder ein besonders guter Mensch, noch ein besonders guter Liebhaber. Und sie waren fast allesamt intelligente, schöne, lebenshungrige Frauen. Warum gibt man soviel auf für etwas, von dem man weiß, das es einen aufgrund der Freiheitssehnsucht nie ganz erfüllen wird?
Unter diesem Gedankenaspekt hat es mir vor allem Teddy in der Vielschichtigkeit ihres Charakters angetan. Sie war toll in ihrer Rolle als Oscars Geliebte, die niemals versuchte, ihn fester an sich zu binden, weil sie wusste, dass es ihr niemals gelingen würde. Dafür verlangte er zu sehr nach Freiheit, liebte die Frauen zu sehr ... Nicht nur die, die er bereits an seiner Seite hatte. In all den Jahren war sie stark genug für die Rolle der Geliebten, auf die dieser Status stets ein wenig Schatten wirft, und hat ihm nie gegrollt - ihr reichte, was er ihr gab. Für mich waren diese Gefühle, diese hingebungsvolle Liebe und ihr Verhältnis zur Freiheit so berührend wie selten eine Liebesbindung zuvor.

Kate Christensen gelingt es insgesamt, eine Fülle an Charakteren zu entwerfen, die so lebendig wie bezaubernd sind. Sie skizziert keine naiven, vor Liebe erblindeten und alt gewordenen Mädchen, sondern Frauen, die ihren Wert kennen und dennoch vollkommen selbstlos lieben, sich dieser Liebe hingeben. Ganz egal, ob nun der zu Oscar Feldman, ihren Söhnen und Töchtern oder der Kunst, einem Schlüsselaspekt in Feldmans Frauen. All die Charaktere hatten Herz, selbst wenn sie wie Maxine Feldman mit der Zeit und den umgeblätterten Seiten zu alten, verbitterten Kettenraucherinnen geworden waren.

Für mich ein wundervolles Buch, das tief berühren und durch seine klugen Worte bezaubern konnte. Es vertraute einem das Geheimnis an, was es heißt, als Frau fast zu sehr zu lieben.

22.1.11 19:38
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen
Gratis bloggen bei
myblog.de