untitled | yvi @ the vision
Keine Sorge, mir geht's gut - Olivier Adam.

Ein Roman von Melancholie, Traurigkeit und Sehnsucht.

Klappentext

"Was machst du eigentlich beruflich, wieviel verdienst du, hast du das neue Buch von XY gelesen ... ?"
Lili hat keine Lust mehr auf die Art Fragen, die ihr auf jeder dieser typischen Pariser Partys gestellt werden, auf die ihre Freundin sie mitnimmt. Denn Lili studiert nicht BWL oder Philosophie, sondern jobbt im Supermarkt in ihrem Viertel;
ihre Welt besteht aus dem, was täglich über ihr Band läuft, Kopfsalat, Cornflakes, Spülmittel, geriebener Gruyère, eine Welt der Barcodes. Hin und wieder das Lächeln eines Kunden. Viel Platz also für den Schmerz über den Verlust ihres Bruders;
dabei ist es schon beinahe zwei Jahre her, dass Loïc einfach abgehauen ist. Gut, dass er ihr wenigstens ab und zu eine Postkarte als Lebenszeichen schickt ...
Doch dann beschließt Lili, sich auf die Suche nach Loïc zu machen. Sie fährt nach Norden Richtung Meer, nach Portbail, dem Ort des letzten Poststempels ... Und kommt dort einem traurigen, dennoch schönen Familiengeheimnis auf die Spur.


Der Autor

Olivier Adam wurde 1974 in einem Vorort von Paris geboren und ist der Autor zahlreicher Romane, Jugendbücher und Erzählungsbände.
Keine Sorge, mir geht's gut gehört zu den erfolgreichsten französischen Romanverfilmungen der letzten Jahre und wurde mit zwei Césars ausgezeichnet.

Persönlicher Eindruck

Keine Sorge, mir geht's gut ist vor allen Dingen ein Roman voller Traurigkeiten:
Die Art, wie Lili ihre täglichen Waren über das Band der Supermarktkasse zieht, ist ebenso traurig wie das letzte Licht des Abends, das durch die Ritzen ihrer zugezogenen Jalousien fällt und Muster an ihre einsamen Wände zeichnet. Die Traurigkeit verbirgt sich in ihrem Lächeln, ihrer Isolation, den einsamen Sonntagnachmittagen bei den Eltern, die nahtlos an eine eigentlich glückliche Kindheit anknüpfen. In all diesen Momenten würde man Lili am liebsten in die Arme schließen und für einen Moment ihr großer Bruder Loïc sein, der sie ihr Leben lang stets festzuhalten wusste. Dass er jetzt fehlt, macht sie solange zu einer Ausgelieferten, bis sie Postkarten aus allen Ecken Frankreichs von ihm erhält. Und dennoch behält man von Anfang an das Gefühl zurück, dass mit diesen Postkarten etwas nicht ganz stimmen kann.
Lili sucht sich die falschen Freundinnen, die nicht ehrlich ihr gegenüber sind und sie auf falsche Hauspartys mitnehmen, wo sie in falschen Gesprächen an die falschen Männer gerät, die sie für diese eine Nacht benutzen und gleich darauf wieder verlassen, sie in ihrer Einsamkeit alleine lassen. Das Bild der eigentlich so klugen jungen Frau gerät hier an die Grenzen ihrer Naivität und Machtlosigkeit ohne Loïc.
Olivier Adam weiß all diese Gefühlslagen und kleinen Momente in einer Sprache zu formulieren, der die typisch französische Melancholie inne ist:
Seine Worte sind schlicht, seine Sätze fast abgehackt und dennoch erscheinen seine Phrasen so präszise, dass jede von ihnen ihr Ziel trifft. Olivier Adam berührt mit und in seinen Worten.

Keine Sorge, mir geht's gut erzählt von den essentiellsten Banden zwischen uns:
der Liebe zwischen Bruder und Schwester, zwischen Eltern und ihren Kindern, der Liebe zur Wahrheit und dem Hang zur Lüge.
Wieviel zerstören wir, wenn wir eigentlich beschützen wollen?
Und all dies ist eingehüllt in Melancholie, in Sehnsucht.

/
20.3.11 18:14
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen
Gratis bloggen bei
myblog.de