untitled | yvi @ the vision
Marina - Carlos Ruiz Zafón.

Mein herzlicher Dank gilt vorablesen, die mir durch ein Leseexemplar dieses so außergewöhnlichen Buches eine Rezension erst ermöglicht haben.

Klappentext

Als Óscar Drai das Mädchen Marina trifft, ahnt er nicht, dass sie sein Leben für immer verändern wird. Mit ihrem Vater lebt sie in einer alten Villa wie in einer vergangenen Zeit. Marina bringt Óscar auf die Spur einer mysteriösen Dame in Schwarz und bald befinden sich die beiden mitten in einem Albtraum aus Trauer, Wut und Größenwahn, der alles Glück zu zerstören droht.

Der Autor

Carlos Ruiz Zafón wurde 1964 in Barcelona geboren. Als Jugendlicher besuchte er die Jesuitenschule in Sarriá und durchstreifte die Stadt - ähnlich wie der junge Óscar in Marina. Seit Mitte der 90er Jahre lebt Carlos Ruiz Zafón in Los Angeles, aber seine Heimatstadt hat ihn bis heute nicht losgelassen. Sie war es auch, die ihn zu seinen Weltbestsellern Der Schatten des Windes und Das Spiel des Engels inspirierte.

Persönlicher Eindruck

Als ich damals Zafóns Schatten des Windes las, hat mich kein Buch zuvor so mitgerissen wie dieses. Auch nachdem ich den Buchdeckel schon lange zugeklappt hatte, geisterten die Protagonisten durch meine Gedanken und ich vergaß zeitweise und oft, dass sie nur fiktiv waren. Der Roman damals faszinierte mich, zog mich bedingungslos in seinen Bann und fand dadurch einen Weg, mir zu gefallen.
Marina war in dieser Hinsicht ähnlich.
Zeile für Zeile hielt meine Gänsehaut an und vergrößerte sich der Schauer, den die Geschichte in ihren Passagen bereithielt. Zafóns neuester Roman war ein fließendes Spiel aus Horror, Melancholie, Geheimnis und Traurigkeit in variabler Reihenfolge.

Óscar Drai, oft eher sympathischer Antiheld als wirklicher Romanheld, lernt durch einen versehentlichen Uhrendiebstahl in einem alten Anwesen das Mädchen Marina kennen. Ganz im Zafón-Stil trägt sie weiße Kleider, ist bildschön und von verborgenen Geheimnissen umgeben. Gemeinsam mit ihr begibt sich Óscar auf die Fährte einer geheimnisvollen Dame in Schwarz, die sie über den Friedhof von Sarriá in ein Gewächshaus des Schreckens führt, wo sie Marionetten begegnen, die über ihren Köpfen und irgendwo zwischen Leben und Tod schweben.
Schneller als die beiden Protagonisten sich umsehen können, befinden sie sich in einem Strudel um die Geschehnisse des einst reichsten Mannes Barcelonas, Michail Kolwenik. Je weiter die Geschichte fortschreitet und je mehr Personen auf der Bühne erscheinen - seine Liebe, seine Feinde, seine Freunde und treu Ergebenen - desto mehr wächst sich der Wahnsinn der Grundidee Marinas aus.
Ich war fasziniert, gebannt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen, so stark war sein Sog. Die Grundidee gefiel mir:
Kann ein Mensch Gott spielen, indem er die Unvollkommenheit der Natur zu umgehen versucht?
Dass Michail Kolwenik schließlich nicht die einzige Romanfigur sein soll, die an ihrem schmalen Balanceakt zwischen Genie und Wahnsinn scheitert, hat die Geschichte nur abgerundet. Marina war schauerhaft und unheimlich, klug und in ihrer Detailliebe zum Schauplatz Barcelona faszinierend.

"Marina sagte einmal zu mir, wir erinnerten uns nur an das, was nie geschehen sei. Es sollte eine Ewigkeit dauern, bis ich diese Worte begriff."

So beginnt Óscar Drai seine Erzählung der Geschehnisse und er vervollständigt den Kreis, indem er seinen letzten Satz und seine Gedanken Marina widmet und ihr sagt, sie habe alle Antworten mitgenommen. Das waren so schöne Abschiedsworte, dass ich weinen musste.

Zafón ist wieder eine außergewöhnliche Geschichte in einer außergewöhnlichen Sprache gelungen. Dass Marina zu seinen liebsten Werken zählt, kann ich nach dem Verschlingen dieses Romans selbst vollkommen begreifen.

20.4.11 15:06
 


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