untitled | yvi @ the vision
Thaddeus und der Februar - Shane Jones.

Ein bezauberndes Buch, eine besondere Auslegung des Wortes Märchen.

Klappentext

Viele Hundert Tage schon währt die kalte Herrschaft des Februars:
Der Wechsel der Jahreszeiten ist außer Kraft gesetzt, Papierdrachen dürfen nicht mehr zum Himmel aufsteigen, Kinder verschwinden im Wald.
Traurigkeit legt sich über die Stadt wie der Schnee, der endlos fällt, doch die Erinnerung an warme Tage lebt weiter. Die Stadt beschließt, in den Kampf zu ziehen, den Winter zu besiegen, und Thaddeus, der Ballonfahrer, soll ihr Anführer sein. Dann stößt Thaddeus in einer Hütte am Stadtrand auf den Februar selbst:
Es ist ein trauriger junger Mann, der eine Geschichte schreibt - die Geschichte der Stadt ...


Der Autor

Shane Jones wurde 1980 geboren und hat Kurzgeschichten und Gedichte veröffentlicht. Thaddeus und der Februar ist sein erster Roman.
Zunächst erschienen in einer Auflage von wenigen Hundert Exemplaren, verbreitete sich der Ruf des Buches wie ein Lauffeuer - zunächst im Internet, dann bis zu Spike Jonze (Being John Malkovitch, Wo die wilden Kerle wohnen), der die Filmrechte erwarb.

Persönlicher Eindruck

Was an dem Buch begeistert, noch lange bevor man seinen Inhalt kennt, ist die liebevolle Umschlaggestaltung:
Das Papier ist von leichtem Glanz und der Ballon, an dem sich Thaddeus in den Himmel hinaufhangelt, leuchtend bunt. Löst man den Schutzumschlag behutsam ab, findet man darunter diese hübsche Illustration:



Und dann konnte Shane Jones mit seinem Romandebüt eben auch noch inhaltlich vollkommen bezaubern.
Thaddeus und der Februar war wie ein Märchen, wenn auch nicht im klassischen Sinne. Es behielt sich zwar die kleinen Szenengrausamkeiten vor, die auch Märchen inne sind, war aber in sich nicht so geschlossen, nicht ganz so rund.
Es ließ Raum für die eigene Fantasie und auch Raum für Verwirrung. Vor allem dann, wenn die Erzählperspektive Kapitel für Kapitel von einem Erzähler zum nächsten sprang und mit ihm den Blickwinkel änderte, eine ganz neue Sicht der Geschichte ins Spiel brachte. Ich muss auch zugeben, dass das Ende ein paar der offenen Fragen dennoch für sich behalten hat.
Aber das war okay, denn wenn diesem kleinen Büchlein eines gelungen ist, dann ist es den Leser dazu zu bringen, seine eigene Fantasie anzustrengen. Die Vorgaben dafür hat es ihm geliefert - man spürte die Melancholie des Februars, die Schneeflocken auf der Haut, die Tage in tristen Grautönen, die Kälte - und in diesem Rahmen eine zauberhafte Geschichte entstehen lassen, in der die Charaktere liebevoll und die Ideen neu und bezaubernd waren.

Eine Geschichte, die schnell ausgelesen war und dennoch in den Gedanken nachhängen wird. Bitte mehr davon, Herr Jones.

/
26.6.11 00:52
 


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