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Kinder der Hoffnung - Marc Levy.

Ein bewegender Roman und ein wichtiges Zeitzeugnis darüber, was es heißt, mutig zu sein.

Klappentext

Toulouse in den vierziger Jahren:
Frankreich ist von den Deutschen besetzt, es herrscht ein Klima des Misstrauens und der Bespitzelung.

Der achtzehnjährige Raymond steigt in eine Straßenbahn. Als er wieder aussteigt, nennt er sich Jeannot - und beschließt zusammen mit seinem jüngeren Bruder Claude, in der Résistance zu kämpfen ...


Der Autor

Marc Levy wurde 1961 als Sohn eines Verlegers in Frankreich geboren. Er ist von Beruf Architekt und entdeckte schon früh seine Liebe zur Literatur und zum Kino.
Von 1983 bis 1990 lebte er in San Francisco, wo er studierte und sein erstes Unternehmen gründete. Seit seinem Welterfolg, den er mit seinem ersten Roman Solange du da bist erlangte, lebt und arbeitet Marc Levy als freier Schriftsteller in London und Paris.

Persönlicher Eindruck

Ich habe Levys Kinder der Hoffnung innerhalb eines Tages und einer Nacht ausgelesen, so sehr faszinierte mich der Roman mit all seinen Charakteren, die in ihm vorkamen, in ihm kämpften und all ihre Hoffnung in die Tatsache setzten, dass eines Tages der Frühling zurückkommt.
Claude und sein älterer Bruder Raymond - so zumindest nennt sich der Erzähler zu Beginn des Romans noch - sind die Söhne eines jüdischen Schneiders. Als sie dem Vater erzählen, dass sie fortgehen, um sich der Résistance anzuschließen, lässt er sie mit einem traurigen Lächeln gewähren:

"Ein Jahr zuvor hatte meine Mutter unsere gelben Sterne auf dem Kommissariat abgeholt. Das war für uns das Zeichen zum Exodus und wir brachen nach Toulouse auf. Mein Vater war Schneider und niemals würde er dieses verdammte Ding auf ein Stück Stoff nähen."

Was folgt, ist ein Jahr der Anschläge, sabotierten Waffentransporte und Zersetzung des französischen Kriegsapparates, der begonnen hat, mit den Nazis zu kollaborieren. Eines halten die jungen Widerstandskämpfer dabei fest, dieser Satz fällt immer wieder im Verlauf des Romans, der auf Erinnerungen von Jeannot, Raymond, Levys Vater gegründet ist:

"Wir haben niemals einen Unschuldigen, nicht mal einen Dummkopf getötet."

Und das war das wirklich Faszinierende an ihnen. In all ihrem jugendlichen Unmut über den Krieg und das Leid, das über das Land gekommen war, das sie einst so herzlich aufgenommen hatte (denn der Großteil der Résistance-Bewegung setzte sich aus Italienern, Spaniern, Jugoslawen, Polen, Tschechen und weiteren Jugendlichen zusammen, die vor den Diktaturen ihres eigenen Landes nach Frankreich geflohen waren), handelten sie doch nie unüberlegt. Sie waren vorsichtig, bedacht, hielten Unschuldige und Zivilisten aus ihrer Schusslinie fern - und dass sie doch an einem sehr grauen Augusttag in den letzten Kriegsjahren fast alle gefangen genommen, eingesperrt und deportiert wurden, war fast unerträglich zu erfahren.
Was folgt, ist eine Odyssee durch das Gefängnis Saint-Michel und anschließend eine fast zweimonatige Reise in einem Gefangenentransport mit dem Endziel Konzentrationslager Dachau.
Dass die Lebensbedingungen auf diesen Transporten unmenschlich und frei von jeglicher Würde waren, muss fast nicht mehr erwähnt werden:
Reihenweise rafften Hunger, Durst, mangelnde Luftzufuhr und Krankheiten die Gefangenen dahin.
Als ihnen am 26. August 1944 schließlich die Flucht gelingt, ist es für einige ihrer Freunde bereits zu spät.

Ich habe schon einige Bücher über den 2. Weltkrieg gelesen und egal, wieviele man von ihnen kennt, wieviele Geschichten man bereits gehört und wieviele Filme man gesehen hat:
Man hat noch immer das Gefühl, zu wenig zu wissen und zu wenig Perspektiven zu kennen, um das Ausmaß des Schreckens vollkommen begreifen zu können. Diese Jugendlichen, die damals fast noch Kinder waren, haben mich in all ihrem Mut, ihrer grenzenlosen Hoffnung auf eine bessere Zukunft und ihrem Einsatz für die Freiheit eines Landes, das sie nicht einmal als welche der ihren akzeptierte, tief beeindruckt. Das Besondere an diesem Zeitzeugnis macht auch der persönliche Bezug Marc Levys zu seinem Roman aus:
Jeannot, das war sein Vater.
Und erst an einem Septembertag des Jahres 1984, als sein Sohn achtzehn Jahr alt ist, erzählt ihm Raymond Levy von den Verdiensten, die er damals als Kämpfer der Résistance für ein Frankreich leistete, das in einer fernen und besseren Zukunft irgendwann einmal wieder frei sein sollte. Am Ende dieses Tages formuliert Marc Levy folgende Worte, die mich sehr tief berührten:

"Und erst viel später habe ich begriffen, dass er nicht wollte, dass seine Kindheit die meine überschattet."

Marc Levy hat hier ein großartiges Zeugnis einer sehr dunklen, sehr traurigen Zeit abgelegt. Und genau deswegen gelten mein Dank, meine Rührung und meine Bewunderung allen, die damals Kinder der Hoffnung waren.

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3.7.11 18:28
 


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