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Idioten (5 Märchen) - Jakob Arjouni.

Jakob Arjouni schreibt heitere Kurzgeschichten über unsere Wünsche und den furchtbaren Moment, wenn sie sich endlich erfüllen.

Klappentext

Stellen Sie sich vor, zu Ihnen käme eine Fee und Sie hätten einen Wunsch frei. Sie würde Ihnen erklären, dass Wünsche in den Bereichen Unsterblichkeit, Gesundheit, Geld und Liebe ausgeschlossen sind, und Sie darauf hinweisen, dass Wunscherfüllungen nicht immer genau das bewirken, was sich die Wünschenden vorstellen.
Vielleicht würden Sie tatsächlich anfangen, über einen Wunsch nachzudenken, und sei es nur, weil Sie glauben, Sie hätten nichts zu verlieren. Aber würde Ihnen ein Wunsch - der Wunsch - einfallen? Oder würden Sie sich wie die meisten für das entscheiden, was die Fee als das Teuerste zum Anfassen im Angebot hat:
eine Geschirrspülmaschine?


Der Autor

Jakob Arjouni wurde am 8. Oktober 1964 in Frankfurt am Main geboren.
Nachdem er als junger Mann sein Studium abgebrochen hatte, veröffentlichte er im Alter von 22 Jahren seinen 1. Roman Happy Birthday, Türke!
Bekannt und beliebt machten ihn später vor allem seine Kayankaya-Kriminalromane, welche bereits in zehn weiteren Sprachen übersetzt wurden.
Jakob Arjouni lebt heute wieder in Berlin, wie schon damals zu Zeiten seines Studiums.

Persönlicher Eindruck

Wir haben folgende Ausgangssituation:
Wir treffen als Leser auf Menschen, die sich im Laufe der Momentaufnahme, die man bei ihnen verweilt, etwas wünschen. Das kann etwas Großes sein oder auch nur etwas Kleines, jedenfalls werden zu diesen Menschen Feen geschickt, die sich mit den Worten "Ich bin gekommen, Ihnen einen Wunsch zu erfüllen" vorstellen. Dann erklären sie kurz die Regeln, nennen die ausgeschlossenen Bereiche und beobachten die anschließende Reaktion des Wünschenden.

Dies hat auch mir viel Freude bereitet:
Viele von ihnen steckten bereits schon so tief drinnen in ihren Schrullen, dass sie sich noch nicht einmal über ein durchscheinendes Mädchen im Flatterkleid wunderten, die erschienen ist, um ihnen einen Wunsch zu erfüllen.

Jakob Arjouni gliedert sein kurzes Buch in fünf Geschichten, die nicht größer zusammenhängen. Detailliert geht es in ihnen um Folgendes ...

1. Idioten: Der schüchterne Max versucht den Mut für ein klärendes Gespräch mit seinem Freund und Chef Ronni zu finden, dessen Größenwahn bereits ihre Firma und die Menschen darin aufzufressen droht.
2. Besiegt: Der ehrgeizige Paul wird plötzlich von Ängsten befallen, die seine Kreativität und seinen Antrieb hemmen. Er wünscht sich von der guten Fee, vor nichts mehr Angst zu haben.
3. Notwehr: Victors Mutter ist eine Furie - aber das sieht sie ja mal so gar nicht ein! Andere Kinder hätten sich eine Liberale wie sie zur Mutter und besten Freundin doch nur gewünscht.
4. Im Tal des Todes: Peter Ohio hat sein Leben gelebt und geschrieben, seitdem er ein junger Mann war. Wirkliche Anerkennung hat er dafür trotzdem nie erhalten. Die Fee soll nun bewerkstelligen, dass ihm zumindest die Schlüsselszene in seinem letzten Roman gelingt.
5. Happy-End: Manuel stand sein Leben lang im Schatten seiner berühmten Pianistenfrau Sabine. Alle belächeln ihn:
seine Kollegen, sein Sohn, die Kellner im Forêt Rieder. Er will endlich Anerkennung, die all dies beendet.

Alle von Arjounis Protagonisten sind durch ihre künstlerische Ader und die Tatsache verbunden, dass sie in ihrem persönlichen Delirium den Blick für das Problem als Gesamtes schon längst verloren haben. Dies wiederum führt zu Szenen, über die man als Leser öfter schmunzeln muss:
Vor allem die alte Frau Radek in Notweh habe ich sehr ins Herz geschlossen. Mit ihrer unmöglichen Art, ihrer extremen Liberalität und dem Drang, sich in alles einzumischen, hat sie zwar ihrem Sohn Victor das Leben ziemlich schwer gemacht, aber ich hatte eine Riesenfreude mit ihr. Ein toller Charakter.

Insgesamt hat mir Jakob Arjounis Roman sehr viel Freude bereitet - Märchen sind ohnehin zeitlos schön - doch letztendlich blieb er eine kurzweilige Lektüre. Wenn auch eine sehr Gelungene.

/
12.8.11 16:41
 


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