untitled | yvi @ the vision
Candy - Kevin Brooks.

Eine Geschichte über die realistischsten Dinge im Leben - Liebe, Verzweiflung, Abgründe - doch leider wird sie nur realitätsfern erzählt.

Klappentext

Candy fesselt Joe vom allerersten Moment an -
ihr Lächeln, ihre Haut, ihre Augen. Er weiß sehr wohl, dass er dieses Mädchen ganz schnell vergessen sollte, denn seine Liebe hat kaum eine Chance und jeder weitere Schritt ist gefährlich:
Candy ist heroinabhängig, sie geht auf den Strich und ihr brutaler Zuhälter hat Joe unmissverständlich klargemacht, was passiert, wenn er sie wiedersieht.
Trotzdem schreibt Joe einen Song für Candy und trifft sich mit ihr - bis sich die Dinge so zuspitzen, dass Joe und Candy durch halb England fliehen müssen.


Der Autor

Kevin Brooks wurde 1959 geboren und studierte in Birmingham und London. Sein Geld verdiente der Autor mit Gelegenheitsjobs, als er als Gitarrist und Songwriter in einer Punkrockband tätig war.
Seit dem überwältigenden Erfolg seines Debütromans Martyn Pig arbeitet er als freier Schriftsteller. Candy wurde mit dem Stockport Children's Book Award ausgezeichnet.

Persönlicher Eindruck

Ich weiß noch, dass bei mir als Jugendlicher Candy ganz weit oben auf dem Wunschzettel der Bücher stand, die ich noch unbedingt lesen wollte.
Vielleicht hätte ich es tun sollen und das Buch hätte mich damals mehr mitreißen können, als es das heute getan hat.

Bereits der Plot war ein wenig angestaubt:

Junge aus gutem Hause trifft Mädchen aus der Gosse.
Er verliebt sich in sie, will sie daraus retten.
Dabei handelt er überstürzt und ohne nachzudenken.

Was auf das erste Hören süß, ja fast ein wenig romantisch klingt, hat mich beim Lesen eher gelangweilt.
Joe ist ein Protagonist, der sein Tun nicht reflektiert. Bevor er über den nächsten Schritt auch nur kurz nachgedacht hat, ist er die zehn vorangegangenen bereits gestolpert, so sehr hat ihn Candy geblendet (das Mädchen, dem er nur ein einziges Mal einen Doughnut und eine Cola mit tonnenweise Eis bei McDonald's ausgegeben hat).
Dies lässt den Eindruck entstehen, die ganze Geschichte wäre allzu konstruiert, realitätsfern, könnte sich im wahren Leben zumindest niemals so abspielen. Auch in Brooks' Sprache spiegelte sich das wider:

Ich hatte oft das Gefühl, dass er mit seinen Worten einfach nichts sagte.

Ich wusste nicht, ob ich damit fertig würde, und ich wusste nicht mal, ob ich es versuchen wollte.
Aber es spielte keine Rolle, ob ich es wollte.
Nichts spielte eine Rolle.
Es war einfach da.
Egal was es war, es würde geschehen. Genau wie vorher, als ich in meinem Innern gewusst hatte, dass ich im Black Room sein würde, komme, was wolle ...
Es war da.
So unvermeidlich, wie die Nacht dem Tag folgt.
Es konnte gar nicht anders sein.


Sätze und Gedanken, die zwar Lücken füllten, für mich aber ohne Inhalt blieben.
Und so wie sie ohne Inhalt blieben, so gesichterlos erschienen mir auch die Charaktere in ihrer Oberflächlichkeit und Schlichtheit oft:

Candy war nur schön, nur heroinabhängig, nur verzweifelt.
Joe war nur naiv, nur verängstigt, nur in sie verliebt.
Joes Schwester Gina war nur gut, Candys Zuhälter Iggy nur böse.

Das war's. Keine Abstufungen zwischen den Charakteren, keine Graustufen, nur Bilder in Schwarzweiß. Die Protagonisten blieben einem fremd, denn sie wirkten auf mich nie echt, nie lebendig.

Die einzige Stelle, an der der Roman für mich an Authentizität gewann, war Candys Drogenentzug im Cottage von Joes Vater. Hier wirkten beide plötzlich lebendig und Candys körperliches, psychisches und emotionales Kranksein ohne ihr Heroin gab der Geschichte die Echtheit, die sie verlangte (vielleicht ein wenig abgesehen von der Tatsache, dass eine ausgebildete Krankenschwester ihren kleinen Bruder mit einem drogenabhängigen Mädchen in einen einsamen Wald ziehen ließ).
Der blutige Showdown, in dem Candy schließlich endete, nahm dieses Stück Realität aber schnell wieder mit sich.
Das Ende wirkte konstruiert - und das nicht mal besonders gut.

Zum Schluss möchte ich sagen, dass es sich bei Candy um einen Roman handelt.
Ein Roman, das ist laut Definition "die Langform der schriftlich fixierten Erzählung. Fiktionalität wird oft als Definitionskriterium genannt."

Und genau diesen Effekt hatte Candy auf mich:
Bei all den realistischen Pfeilern, auf denen die Geschichte sich stützte, blieb sie für mich stets irreal, fiktional, nicht echt - und deswegen auch nicht überzeugend.

/
21.8.11 15:20
 


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