untitled | yvi @ the vision
Mängelexemplar - Sarah Kuttner.

Lockerer Umgang mit ernsten Themen, das kann so nur die Frau Kuttner.

Klappentext

Karo lebt schnell und flexibel. Sie ist das Musterexemplar unserer Zeit:
intelligent, liebenswert und aggressiv, überdreht und traurig. Als sie ihren Job verliert, ein paar falsche Freunde aussortiert und mutig ihre feige Beziehung beendet, verliert sie auf einmal den Boden unter den Füßen. Plötzlich ist die Angst da.

Dem Wahnwitz unserer Gegenwart zwischen Partylaune und Panikattacke gibt Sarah Kuttner eine Stimme:
vom Augenzwinkern zum Ernstmachen, vom launigen Plaudern zur bitteren Selbstkritik. Lustig und tieftraurig, radikal und leidenschaftlich erzählt sie von dem Riss, der sich plötzlich durch das Leben ziehen kann.


Die Autorin

Sarah Kuttner wurde 1979 in Berlin geboren und arbeitet als Moderatorin. Neben ihren Sendungen bei Viva und MTV machten sie auch ihre Kolumnen für die Süddeutsche Zeitung und den Musikexpress bekannt.
Sarah Kuttner lebt immer noch und gerne in Berlin, Mängelexemplar ist ihr erster Roman.

Persönlicher Eindruck

"Wo Kuttner drauf steht, ist auch Kuttner drin."

Diesen Satz las ich öfter, wenn es um Sarah Kuttners Mängelexemplar ging. Mir war die Autorin zuvor nur flüchtig bekannt, ich war weder mit ihren Kolumnen noch mit ihren Sendungen im Fernsehen besonders vertraut. Aber ihr Roman gefiel mir gut.

Ihre Protagonistin Karo war wunderbar:
emotional, überdreht, jung und intelligent, ungeduldig, selbstständig und selbstkritisch. Sie war so, dass man sich wundervoll mit ihr identifizieren konnte. Man wälzt als junge Frau oft dieselben Gedanken wie sie, erwartet zu viel von sich selbst, will aber gleichzeitig wenig nach Außen tragen. Man stellt zu hohe Erwartungen an sich und andere und ist enttäuscht, wenn sie sich nicht erfüllen - dabei will man genau das und es am liebsten noch sofort.

An dem Punkt, an dem die Erwartungen an die Grenzen der Belastbarkeit der Seele stoßen, ruft auch der Körper: "Stopp!"
Und hiermit wird Karo ja so gar nicht mehr fertig.
Sie und Depressionen? Dafür hat sie keine Zeit, immerhin ist sie ein sehr ungeduldiger Mensch.

Die Kritik, Sarah Kuttner hätte in ihrem Debütroman das Thema Depressionen durch den Kakao gezogen, empfinde ich anders. Ich fand gerade die Flapsigkeit in ihrem Ton sehr authentisch und Karo angemessen, denn nichts hätte künstlicher gewirkt, als wenn sie eine falsche Seriösität beim Thema Depression entwickelt hätte. Kuttner stellt diese nicht als Modekrankheit dar, finde ich, sondern geht sie von einer Seite an, die mir so noch nicht begegnet ist:
selbstironisch. Dabei behält sie ständig im Blick, wie sich die Dinge für ihre eigenen Augen und für die der anderen darstellen. Das war für mich das wirklich Besondere an Kuttners Erzählstil.

Der Roman wird sich mir nicht für Ewigkeiten als bestes Buch aller Zeiten ins Gedächtnis brennen, aber er hat mir gefallen, er hat mich trotz der Thematik unterhalten und er hat mich auch zum Nachdenken gebracht. Vielleicht war es ja auch ein wenig das, was Sarah Kuttner wollte:
mit ihren Worten auffallen, mit ihnen provozieren.
Denn wo Provokation ist, sehen und hören die Menschen auch mit Sicherheit hin.

/
26.8.11 17:59
 


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