untitled | yvi @ the vision
Irgendwann werden wir uns alles erzählen - Daniela Krien.

Mein herzlicher Dank gilt vorablesen, die mir durch ein Leseexemplar dieses so leidenschaftlichen Buches eine Rezension erst ermöglicht haben.

Klappentext

Maria wird bald siebzehn, sie wohnt mit Johannes auf dem Hof seiner Eltern, in den "Spinnenzimmern" unterm Dach. Sie ist zart und verträumt, verkriecht sich lieber mit den "Brüdern Karamasow", als in die Schule zu gehen.
Auf dem Nachbarhof lebt der vierzigjährige Henner, allein. Die Leute aus dem Dorf sind argwöhnisch: Eine Tragik, die mit seiner Vergangenheit zu tun hat, umgibt ihn; gleichzeitig ist er ein Mann, dessen charismatische Ausstrahlung Eifersucht erregt. Ein zufälliger Blick eines Tages, eine zufällige Berührung an einem andern lösen in Maria eine Sehnsucht aus, die fremd und übermächtig ist und sie daher wie von höherer Gewalt geleitet in Henners Haus und in seine Arme treibt ...


Die Autorin

Daniela Krien, geboren 1975 in Mecklenburg-Vorpommern, aufgewachsen in einem Dorf im Vogtland, lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Leipzig. Sie studierte Kulturwissenschaften, Kommunikations- und Medienwissenschaft und arbeitete unter anderem als Drehbuchautorin und Cutterin für amadelio film.
Irgendwann werden wir uns alles erzählen ist ihr erster Roman.

Persönlicher Eindruck

"Es gibt Dinge, die können gleich erzählt werden, andere haben ihre eigene Zeit, und manche sind unsagbar."

Mit diesen Worten beginnt der Klappentext auf der Rückseite und sie fallen auch einmal mehr im Verlauf des Romans. Was Daniela Krien hier auf so wenigen Seiten niedergeschrieben hat, ist eine Geschichte von Liebe und Selbstfindung, die mich bedingungslos mitgerissen hat:

Maria ist ein Mädchen von fast siebzehn Jahren und weiß noch nicht, was sie vom Leben erwartet. Zu stark befindet sich die Welt, wie sie sie bisher kannte, im Umbruch, zu groß sind die Veränderungen und die Gefühle, die sie einnehmen. Sie glaubt, sich in den Bauernsohn Johannes verliebt zu haben und erzählt davon in Worten, die mich wirklich berührten:

"Später dann steigen wir die Treppen hinauf in unsere Spinnenzimmer und lieben uns. Johannes löscht das Licht, er ist zärtlich und sanft unter der Bettdecke; noch niemals hat er mir wehgetan. Er ist mein erster Mann. Ich glaube, ich liebe ihn."

Schon in diesen Worten zeichnen sich die deutlichsten Wesenszüge Marias ab. Sie ist ein sehr zartes und verträumtes, vor allem aber auch ein Mädchen von großer Naivität. Oft wusste ich nicht, ob das für mich die Stärke oder Schwäche der Protagonistin darstellte, denn Daniela Krien kleidete diese Naivität in eine solche Selbstverständlichkeit, dass etwas anderes gar nicht zur Geschichte gepasst hätte. Ohne diesen markanten Wesenszug wäre Maria dem vierzigjährigen Henner, der den Nachbarhof bestellte, wohl niemals verfallen. Er sammelt sie eines Nachts nach einem Autounfall von den Wiesen auf und sie folgt ihm widerstandslos nach Hause. Was dann beginnt, ist eine Liebesgeschichte von arachaischer Wucht, so verspricht es zumindest der Klappentext. Und er täuscht einen nicht:

Die Begegnungen zwischen Maria und Henner balancieren ständig an einer sehr schmalen Grenze zwischen Leidenschaft und Brutalität und sie zerreißen Marias Gewissen im Laufe der Geschichte mehr und mehr. Henner ist oft grob und noch öfter betrunken, im nächsten Moment hält er das soviel jüngere Mädchen aber dann doch liebevoll im Arm. Man kann sich eigentlich kein Urteil über die Liebe dieser beiden bilden, denn man kann nur erahnen, wieviel davon körperliche und seelische Abhängigkeit ist und wieviel aus wahren Gefühlen hervorgeht. Für mich war es eher so, dass ich Maria in ihrer Einfachheit und Selbstverständlichkeit bewunderte:
Sie goss ihrem Henner Wodka nach, wenn sie wusste, dass der Tag und das Leben selbst ihn mal wieder geschafft hatten. Sie schmiedete Zukunftspläne und verlor sich in ihnen einmal mehr, da sie innerlich wusste, wie weit entfernt sie von der Realität waren. Sie erlernte das Kochen und füllte Marmelade in Gläsern ab, sie war Kind, Geliebte, Freundin und Frau zugleich. Dass sie all dies nie in den Gründzügen anzweifelte, ist so bewundernswert wie traurig.

Kurz, bevor die Geschichte endet, formuliert Maria folgenden Gedanken:

"Alles passiert irgendwann einmal zum letzten Mal.
Oft weiß man nicht, dass es das letzte Mal sein wird."

Ich verliebte mich in diese Worte, aber vielleicht war ich auch nur in der richtigen Verfassung, das Buch zu lesen. Fasziniert hat es mich auf jeden Fall in einem hohen Maße - der interessante historische Kontext, der poetische Ton, die authentischen und vielschichtigen Charaktere. Sie waren einem so nahe, wie auch die Geschichte einem nahe kam. Auf eine fast abstrakte Weise, so selbstverständlich.

/
25.9.11 19:26
 


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