untitled | yvi @ the vision
Russendisko - Wladimir Kaminer.

Kaminer unterhält, wenn auch nur an der Oberfläche.

Klappentext

Berlin ist schon eine ganz besondere Stadt. Da gibt es die Griechen, die Italienisch sprechen, weil sie eine Pizzeria betreiben. Da ist Katja, die mittels Meskalinkakteen Geist und Körper voneinander löst, bis beide in getrenntem Zustand in die Psychiatrie eingeliefert werden müssen. Da ist Klaus, der dank der Radiosendung "Russisch für Kinder" seine Sprachkenntnisse erweitern will und bei seinem ersten Besuch in Moskau hinter Gittern landet. Und da ist Wladimir Kaminers Vater, der sich mit 68 Jahren entschließt, nach Deutschland auszuwandern, wo er schon bald die Herausforderungen des russischen Alltags vermisst und zum Ausgleich beschließt, sich als Fahrschüler dem Überlebenskampf im Straßenverkehr zu stellen ...

Der Autor

Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk und studierte anschließend Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut. Seit 1990 lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin. Kaminer veröffentlicht regelmäßig Texte in verschiedenen deutschen Zeitungen und Zeitschriften und hat eine wöchentliche Sendung namens "Wladimirs Welt" beim SFB4 Radio MultiKulti, wo er jeden Samstag seine Notizen eines Alltagskosmonauten zu Gehör bringt.

Persönlicher Eindruck

Ich schreibe meine Rezension zu Kaminers Russendisko vor dem Hintergrund meiner eigenen Wurzeln, die in Russland liegen:

Ich war 4, als ich mit meiner Familie nach Deutschland kam.

Aufgrund dessen ist mir vieles von dem, was Kaminer schreibt, vertraut. Die Barrieren mit der deutschen Sprache, die Beschreibungen der russischen Frauen, die Vielfalt und die interkulturellen Kompetenzen, von denen er erzählt. Sie haben mich öfter zum Schmunzeln, aber nie zum Lachen gebracht, denn genau darin liegt für mich auch die große Schwachstelle des Buches:

Kaminer sagt und erzählt vieles, aber er tut es nur an der Oberfläche. Er schreibt nirgendwo - zumindest konnte ich es nirgendwo finden - warum die Dinge für ihn und seine Freunde aus Russland so sind, wie sie nun mal sind. Woher die Weltanschauungen stammen, worin sie verankert sind und warum man im deutschen Alltag mit ihnen ab und an an unsichtbare Grenzen stößt. Der Humor, den er für mich unweigerlich in seinen Kurztexten hat, bleibt dabei im Verborgenen. Die Motivation, diesen zwischen den Zeilen in den kurzen Alltagsgeschichten zu suchen, fehlt einfach.

Dennoch habe ich Russendisko gerne gelesen. Das kleine Büchlein erzählte Geschichten von der Heimat, die auch wirklich danach rochen, schmeckten und klangen. Für mich ist es eine Bereicherung, mit 2 Identitäten und Sprachen aufgewachsen zu sein und genau dieses Gefühl habe ich auch bei Kaminer mit auf den Weg bekommen. Das ist die große Stärke eines russischen Autors, der nun auf deutscher Sprache in Deutschland schreibt. In meinen Augen hat er diese zu wenig ausgeschöpft, was Russendisko zwar zu keinem schlechten, aber zu einem durchschnittlichen Buch macht, das nach dem Lesen der letzten Seiten nicht in den Gedanken hängen bleiben wird. Eigentlich sehr schade, vielleicht kann der Film dazu ja mehr - immerhin hat er mit dem Herren Schweighöfer einen mehr als nur genialen Hauptdarsteller zu bieten.

/
15.6.12 12:46
 


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