untitled | yvi @ the vision
Whisper - Isabel Abedi.

Whisper bezaubert, fasziniert.

Klappentext

Whisper - so tauft Noa das 500 Jahre alte staubige Haus auf dem Land, in dem sie mit ihrer Mutter ihre Ferien verbringen soll. Etwas Unheimliches und Wartendes geht von dem alten Gebäude aus, aber außer Noa scheint das niemand zu spüren.

Und dann überschlagen sich die Ereignisse:

Zunächst ist da David, der Junge aus dem Dorf mit den grünen Augen, der Noas Puls zum Flattern bringt. Und dann ist da das Spiel - das Spiel, das alles ändert. Animiert von ihrer Umgebung, machen David und Noa eine Geister-Seance. Nur so, ein bisschen Gläserrücken - aber dann scheint wirklich ein Geist zu ihnen zu sprechen. Es ist der Geist eines verstorbenen Mädchens namens Eliza, das behauptet, vor genau 30 Jahren auf dem Dachboden des Hauses ermordet worden zu sein. Noa und David sind entsetzt:

Hatten sie beide eine Sinnestäuschung oder hütet das Haus wirklich ein Verbrechen? Und was verbirgt sich hinter Elizas rätselhaftem "Juwel"? Alle Spuren führen David und Noa zu einem Ort:

auf Whispers fest verriegelten Dachboden.


Die Autorin

Isabel Abedi wurde 1967 geboren und arbeitete 13 Jahre lang als Werbetexterin. Abends, am eigenen Schreibtisch, hat sie Geschichten geschrieben und davon geträumt, eines Tages davon leben zu können. Dieser Traum hat sich längst erfüllt.

Ihr Roman Whisper wurde 2006 für den Jugendliteraturpreis nominiert. Weitere Werke von ihr tragen die Titel Imago, Isola oder Lucian.

Persönlicher Eindruck

Ich stellte keine hohen Erwartungen an Whisper:

Die Geschichte klang nett, jugendlich und nach nichts, das mich allzu sehr von meiner Fachliteratur für das Studium ablenken würde.

Spätestens nach den ersten 50 Seiten war ich mir bewusst, dass ich damit falsch lag. Isabel Abedi erzählte in Whisper eine Geschichte, die mich bedingungslos in ihren Bann zog:

Sie erzählt von dem Stadtmädchen Noa, das ihre Ferien gemeinsam mit ihrer Mutter Kat und deren gutem Freund Gilbert auf dem Land verbringt.
Kat, dem schillernden und aufmerksamkeitssüchtigen Filmstar. Ihre Allüren und ihre allgegenwärtige Präsenz machen es Noa nicht leicht, ständig kommt es deswegen zu Konflikten zwischen Mutter und Tochter.
Und Gilbert, dem guten Freund, der immer die Lücken ausglich, die Kat für Noa nie füllen konnte. Er wurde zu ihrer Vaterfigur und auch zur Mutterfigur, wie Gilbert einmal sagte. Er war ihr Vertrauter und Freund. Ein sehr warmherziger und liebenswerter Charakter des Buches.

An sich klingt diese Geschichte nicht neu:

Stadtmenschen auf dem Land, ein bisschen Grusel, ein bisschen Liebe. Nicht revolutionär. Aber wie Isabel Abedi ihre Geschichte erzählte, das faszinierte mich wirklich, denn sie hat Gefühl für Worte und Sprache.

Der Erzählzweig, der mir noch besser gefiel als die aktuellen Geschehnisse um Noa und die Menschen um sie herum, war derjenige, der in der Vergangenheit lag. Jedes der 30 Kapitel beginnt mit einem Tagebucheintrag Elizas aus dem Sommer 1975. Parallel dazu verstricken sich Noa und David nach dem Gläserrücken in ihre Geschichte hinein, 30 Jahre später. So setzt sich die Geschichte wie ein Puzzle zusammen, bis die Fäden - die der Vergangenheit und die der Gegenwart - zum Schluss ineinanderlaufen. Mir persönlich war der Showdown ein wenig zu theatralisch und irrational - wenn man das in einer Geschichte, die von einem toten Mädchen handelt, das noch im Haus umhergeistert, denn so sagen kann - aber es gefiel mir, dass mir wirklich bis zum Schluss nicht klar war, wer Eliza am 21. August 1975 tötete. Das ist das wirklich Gute an Abedis Geschichte:

Sie war nie vorhersehbar.

Mit meinen niedrigen Erwartungen habe ich der Geschichte Unrecht getan. Sie hat mich mitgerissen und mich meine Fachliteratur für die Klausuren dann doch vergessen lassen. Sie war voller guter Gedanken, auch wenn die Charaktere ab und an etwas oberflächlich blieben.

Aber letztendlich faszinierte sie.
Ja, das tat sie wirklich.

Ich glaube, dass die Angst, die man hat,
wenn man an einem Abgrund steht, in
Wahrheit vielmehr eine Sehnsucht ist.
Eine Sehnsucht, sich fallen zu lassen -
oder die Arme auszubreiten und zu fliegen.

Eliza, 25 Juli 1975


/
12.7.12 19:21
 


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