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Die Besessene - S.B. Hayes.

Kürzlich stellte ich den neuen Roman Die Besessene von S.B. Hayes auf merveille vor, in dem es darum ging, dass ein Mädchen Besitz vom Leben eines anderen zu ergreifen versuchte. Diesen Roman habe ich nun beendet und möchte meine Eindrücke mit Euch teilen.

Mein herzlicher Dank gilt dabei vor allem dem dtv-Verlag, der mir freundlicherweise ein Leseexemplar dieses Buches zur Verfügung stellte, ohne welches diese Rezension nicht möglich gewesen wäre.

Klappentext

Katy führt ein unbeschwertes Leben - bis ein Mädchen namens Genevieve an ihrer Schule auftaucht. Ohne erkennbaren Grund wird Katy von ihr verfolgt, bedroht und bloßgestellt. Genevieve kleidet sich wie Katy, umgarnt deren beste Freundinnen und macht selbst vor Katys Freund Merlin nicht halt. Schnell ist klar:

Genevieve scheint besessen von dem Gedanken, Katys Leben zu zerstören. Doch während Genevieve offenbar bestens über Katy Bescheid weiß, hat diese nicht die leiseste Ahnung, mit wem sie es zu tun hat. Sie beginnt nachzuforschen und stößt auf eine Wahrheit, die ihr Leben schlagartig verändert ...


Die Autorin

S.B. Hayes wurde in Liverpool geboren. Bereits in ihrer Kindheit kaufte sie sich von ihrem Taschengeld Notizbücher, die sie mit Gedichten füllte. Später studierte sie Englisch und arbeitete in verschiedenen Positionen im Öffentlichen Dienst, doch das Erfinden von Kurzgeschichten lag ihr immer näher, als Formulare auf den Weg zu bringen. Die Besessene ist ihr erster Roman.

Persönlicher Eindruck

Katy und Genevieve begegnen sich das erste Mal an einem Spätnachmittag Mitte September. Die Fenster zweier Linienbusse trennen sie voneinander, doch es ist ein Moment, der sie auf geradezu magische Weise miteinander verbinden soll:

"Mein Leben lang werde ich mich fragen, ob alles anders gekommen wäre, wenn ich den Blick des Mädchens an diesem Tag nicht erwidert hätte."

Die Idee, die Hayes in ihrem Roman Die Besessene verfolgt, ist nicht neu. Bereits Amélie Nothomb mit Antéchrista und Rebecca James mit Die Wahrheit über Alice erzählten ähnliche Geschichten zweier Mädchen, in denen die eine die andere aus unerklärlichen Gründen erst unterwandert, dann von innen heraus zu zerstören versucht. Doch auch wenn sie nicht neu ist, übt diese Konstellation für mich noch immer eine unglaubliche Faszination aus, denn das Geheimnisvolle, das sie entwirft und beschreibt, ist in seiner Vielfalt an Möglichkeiten für mich als Leserin immer wieder aufs Neue fesselnd.

So auch diesmal. Der Plot nahm mich vollkommen für sich ein. Ich wollte mehr über Genevieve und Katy erfahren, mehr von ihnen lesen, mehr Hintergründe und Zusammenhänge zu einem Gesamtbild zusammenfügen können. Ich las und las und las, die Seiten flogen nur so an mir vorüber. Fragezeichen verblassten und wie ein Puzzle fügte sich schließlich das eine zum anderen. Interessant dabei war für mich in dieser Hinsicht vor allem, wie sich Katy entwickelte:

Obwohl sie Genevieve mit jeder ihrer Sabotageaktionen mehr und mehr hasste, näherten sich die beiden Mädchen in ihrer Ähnlichkeit einander an. Sie zeigte sich in ihren Gesten, ihren Worten, ihrer Kleidung, später sogar in ihren Gedanken. Diese subtile Psychologie machte für mich den eigentlichen Reiz der Geschichte aus.

Ich las sie wirklich gerne, verlor mich fast in ihr. Das einzig Negative daran war für mich, dass die Romanfiguren oft ein wenig klischeehaft waren und handelten - dies machte sie nicht selten blass und farblos. Katy war in ihrer Art das Allerweltsmädchen, das so sicher gut in die Geschichte passte, doch so ist die Protagonistin dieser Erzählungen auch wirklich verdammt oft. Ich hätte mir etwas Neues gewünscht. Genevieve war zunächst durchweg böse, die Freundinnen leicht beeinflussbar, Merlin erst Traummann, dann nur noch heiße Luft. Auch der nette Nachbarsjunge von nebenan fehlte nicht, der der Heldin des Romanes immer mit Rat und Tat zur Seite stand und geschickterweise auch ein Auto hatte, mit dem er Katy immer fröhlich von einem geheimnisumwitterten Ort zum nächsten fuhr.

Ich fand die Konstellation der Charaktere und diese an sich ein wenig flach und stereotyp. Ich hätte sie gerne tiefschürfender gehabt, extremer, authentischer in ihren Handlungen. Lediglich unter Genevieve konnte ich mir, nicht zuletzt dank des wirklich gelungenen Titelbildes, mehr vorstellen. Die anderen blieben stets ein wenig farblos, auch nach 420 Seiten noch.

Dennoch hat Hayes für mich mit Die Besessene einen Roman geschrieben, der Potential und eine Geschichte zu erzählen hatte, die mir gefiel. Ich hätte mich gerne noch ein wenig länger in ihr verloren.

/
14.8.12 01:52
 


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