untitled | yvi @ the vision
Sorry - Zoran Drvenkar.

Die Geschichte von vier jungen Menschen, die sich zu entschuldigen versuchen.

Klappentext

Ihr Angebot rüttelt die Geschäftswelt auf, denn sie entschuldigen sich für die Vergehen von Unternehmen. Sie bieten den Schuldigen Unterstützung an und helfen den Opfern. Sie selbst verdienen viel Geld damit, die vier jungen Berliner, die diese clevere Geschäftsidee hatten, irgendwann, bevor der Terror anfing. Immer mehr Menschen erleichtern über sie ihr Gewissen - bis ihnen eines Tages jemand den Auftrag erteilt, eine Tote um Verzeihung zu bitten für die unvorstellbaren Qualen, an denen sie starb. Hier schnappt die Falle zu. Die Lektion, die der Auftraggeber ihnen ab jetzt erteilt, ist voller Dunkelheit:

Wie Schachfiguren werden sie auf eine Spur der Grausamkeit gesetzt, auf der es keine Vergebung gibt, kein Schwarzweiß mehr zwischen Opfer und Täter. Zoran Drvenkars verstörender Roman erzählt auf zwingende Weise von einer Welt, in der wir der Gewalt nicht mehr ausweichen können.


Der Autor

Zoran Drvenkar wurde 1967 in Krizevci, Kroatien, geboren und zog als Dreijähriger mit seinen Eltern nach Berlin. Seit 1989 arbeitet er als freier Schriftsteller. Für seine Romane, Gedichte, Theaterstücke und Kurzgeschichten wurde er vielfach ausgezeichnet und für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Zoran Drvenkar lebt heute in Berlin.

Persönlicher Eindruck

Nach einem Buch, das mich nachdenklich und melancholisch gestimmt hat, wollte ich etwas lesen, das meinen Adrenalinspiegel wieder etwas in die Höhe treiben würde. Sorry tat das schon, tat es irgendwie, aber es lag nicht daran, dass das Buch für mich besonders spannend oder gut gewesen wäre.

Wir haben vier Protagonisten, eigentlich. Sie sind alle Ende zwanzig, kennen sich noch aus der Schule und das Leben hat ihnen noch längst nicht alles gegeben, was sie von ihm erwartet hätten. Sei es Zufall oder Schicksal, was sie an einem Abend alle an einen gemeinsamen Tisch bringt, jedenfalls entsteht in diesen Stunden eine Idee, die bald nicht nur ihr Konto verändern soll:

Sie gründen eine Agentur für Entschuldigungen.

Privatpersonen sind ausgeschlossen, aber Unternehmen fragen bei ihnen an und entledigen sich so ihres schlechten Gewissens, weil sie die Sekretärin nach einer heißen Affäre entlassen oder einen Mitarbeiter zu Unrecht rausgeschmissen haben.

Eine Idee, die funktioniert, ihr Geschäft floriert bereits nach kurzer Zeit. Diese Idee war für mich das eigentliche Highlight in Zoran Drvenkars Geschichte, weil ich sie unendlich faszinierend fand - nicht nur bezüglich des Buches, sondern auch im Kontext der Realität. Ich denke, nicht Wenige wären froh über die Möglichkeit, auf das Angebot von Sorry zurückgreifen zu können.

Das war es aber auch eigentlich schon wieder an Pluspunkten, die die Geschichte bei mir sammeln konnte. Ich fand sie darüber hinaus ziemlich langatmig und abstrakt. Die Charaktere blieben mir trotz zahlreicher Personenbeschreibungen fern, ich hatte keine Gefühle ihnen gegenüber, konnte mir keine Gesichter zu den Handlungen vorstellen, niemand von ihnen war für mich wirklich markant. Genauso wenig konnte ich die blutrünstigen und rachsüchtigen Abgründe nachvollziehen, die die Geschichte letztlich ins Rollen brachten:

Die ganzen blutigen Details - und es waren einige - schockierten mich kaum, der Plot um die Geschichte herum aber umso mehr. Letztlich wurde in meinen Augen für nichts getötet, ich hatte auf den großen Knall gehofft, auf den einen Punkt am Ende des Buches, wenn die Fäden zusammenlaufen und es plötzlich hell wird und man bekommt Gänsehaut in dem Moment, in dem einem alles klar wird.
Das fehlte. Der große Knall in Drvenkars Roman langweilte mich, die Beweggründe der Bösen waren zwar widerlich und abtrünnig genug, aber in ihrer Darstellung so abgedroschen und krank, dass ich keine Freude an dem Buch entwickeln konnte, nicht über 400 Seiten hinweg.

Vielleicht werde ich auch einfach nur nicht mit dem Stil von Zoran Drvenkar warm, denn schon in Sag mir, was du siehst fand ich die Sprünge und wechselnden Perspektiven eher ermüdend und verwirrend als begnadet und spannend. In diesem Buch wurde dieser Eindruck nur noch intensiver.

Eigentlich schade, dabei klingen seine Ideen anfangs immer so unglaublich gut ...

/
20.8.12 19:03
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Janine2610 / Website (8.3.15 11:44)
Hallihallo! :-)

Ich bin Mitglied einer erst kürzlich gegründeten Seite ( https://bloggervernetzt.wordpress.com/about/ ), dort sammeln wir alle möglichen Rezensionen von den verschiedensten Buchblogs. Natürlich stehen wir noch ganz am Anfang, aber jeder hat ja mal klein begonnen.^^ Jedenfalls soll dieser Blog eines Tages ein ganz großes "Buchblog-Rezensionen-Netzwerk" werden. Und jedem Blogger, der dazu beiträgt, sind wir sehr dankbar! Deswegen jetzt meine Frage an dich: Darf ich deine Rezension hier zu "Sorry" dort verlinken? (Bzw. darf ich in Zukunft generell Rezensionen von dir dort verlinken?)

Ganz herzliche Grüße ♥,
Janine

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