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Roberts Schwester - Petra Hammesfahr.

Eine bedrückende, fast erdrückende Geschichte von Liebe Abhängigkeit.

Klappentext

Mia lebt mit ihrem Bruder in einem herrschaftlichen Haus. Vorbildlich kümmert sich Robert um seine Schwester, deren Karriere als Bildhauerin ein jähes Ende fand. Seit einem Autounfall, an dem Robert nicht unschuldig war, ist Mias Gesicht entstellt. Sobald Roberts Geliebte und zukünftige Ehefrau einzieht, kann die Schwester ihre Eifersucht kaum bändigen. Die Spannung zwischen den beiden Frauen wird unerträglich, und dann ist Robert tot.

Die Autorin

Petra Hammesfahr schrieb mit 17 ihren ersten Roman. Mit ihrem Buch Der stille Herr Genardy kam der große Erfolg, dem viele weitere folgen sollten. Die Autorin lebt in der Nähe von Köln.

Persönlicher Eindruck

Eigentlich erzählt dieses Buch seine Geschichte rückwärts. Es beginnt mit der Nachricht von Roberts Tod und dreht sich darum, was in der Mordnacht geschah und warum. Zu dumm, dass seiner Schwester Mia jegliche Erinnerung daran fehlt, wo sie in den letzten Stunden seines Lebens war und was sie getan hat, Alkohol und Tabletten sei Dank. Doch auch ohne klare Erinnerung daran - Bruchstücke kommen immer mal wieder schemenhaft zu ihr zurück - ist sich Mia sehr sicher, wer ihren geliebten Bruder tötete. Und sie ist besessen davon, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen.

Ich mochte an Roberts Schwester vor allem die Erzählperspektive, denn ich hielt sie für brillant:

Die Geschichte war aus Mias Sicht geschrieben, durchdrungen von ihren Gedanken, ihren Gefühlen, ihren diffusen Erinnerungen. Sie nimmt den Leser vollkommen für sich ein, doch es wird schnell klar, dass man weder ihr, noch ihren Gedankengängen vorbehaltlos glauben kann. Sie sind sprunghaft und extrem und sie pendeln stark. Es wird schnell klar, dass Mia krank ist, und die Ereignisse eng mit dem zusammenhängen, was sich in ihrer Psyche abspielt. Doch was damit die Erzählperspektive zum großen Coup der Autorin machte, war für mich auch der große Schwachpunkt des Romans. Ich war nicht glücklich damit, wie Mias Krankheit dargestellt wurde.

Sie als Protagonistin hatte mir allzu sehr etwas von der armen Irren, was kein zeitgemäßes Bild ihrer Krankheit mehr ist. Die Stimmen. Der erfahrene Therapeut mit Notizblock, Bleistift und Couch. Medikamente, die ruhigstellen sollen. Die Angst ihrer Mitmenschen, mit einer tickenden Zeitbombe unter einem Dach zu leben. Ihre Krankheit als Mordmotiv, wo ihr doch alles zuzutrauen wäre. Ich fand das allzu stereotyp und ungerechtfertigt, vielleicht bin ich im Rahmen der vergangenen Monate und meines Studiums aber auch nur ein wenig vorbelastet, was den politisch korrekten Umgang mit psychischen Erkrankungen betrifft. Petra Hammesfahrs Buch erschien in seiner Erstausgabe bereits vor 21 Jahren, seitdem hat sich in der Psychologie und Sozialen Arbeit viel getan, was Erkenntnisse und Leitbilder anbelangt.

Ich las das Buch an einem Tag aus und muss zugeben, die Wendungen zum Schluss hatten durchaus noch einen guten Überraschungseffekt. Dennoch konnte mich Roberts Schwester nicht vollkommen überzeugen. Zum einen fand ich Mias Gedankensprünge manchmal sehr anstrengend, wie sie sich von einem Verdacht zum nächsten hangelte, völlig besessen von der Liebe zu ihrem Bruder und dem Drang, seinen Tod aufklären zu müssen. Ich kam bei den vielen Theorien, wer denn nun wen ermordet oder betrogen hatte, nicht immer mit.

Zum anderen bin ich mit Petra Hammesfahrs Sprache nie so ganz warm geworden. Ich fand sie nicht schlecht, aber immer ein wenig bemüht, etwas angestaubt. Ich vermisste in ihr den Erzählfluss und fand nur selten Formulierungen, die ich mir gerne aufgeschrieben und gemerkt hätte, weil sie so wunderschön und brillant waren. Eine davon war aber diese, als Mia zum ersten Mal an Roberts Grab steht:

"Dort blieb ich ungefähr eine Stunde. Ich spürte gar nicht, wie die Zeit verging. Roberts Name auf dem Grabstein war ein Stück Ewigkeit, und dort hat Zeit keine Bedeutung mehr. Dort hat nichts eine Bedeutung."

/
27.3.13 01:53
 


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