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Die verlorene Ehre der Katharina Blum - Heinrich Böll.

Eine wundervolle, aufwühlende und starke Erzählung darüber, wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann.

Klappentext

Am Vorabend von Weiberfastnacht verlässt eine junge Frau von siebenundzwanzig Jahren gegen 18.45 Uhr ihre Wohnung, um an einem privaten Tanzvergnügen teilzunehmen. Vier Tage später klingelt sie an der Wohnungstür des Kriminaloberkommissars Walter Moeding und gibt zu Protokoll, sie habe mittags gegen 12.15 Uhr in ihrer Wohnung den Journalisten Werner Tötges erschossen ...

Der Autor

Heinrich Böll, geboren am 21. Dezember 1917 in Köln, war nach dem Abitur Lehrling im Buchhandel. Danach Studium der Germanistik. Im Krieg sechs Jahre Soldat. Seit 1947 veröffentlichte er Erzählungen, Romane, Hör- und Fernsehspiele, Theaterstücke und war auch als Übersetzer aus dem Englischen tätig. 1972 erhielt Böll den Nobelpreis für Literatur für sein Gesamtwerk.

Er starb am 16. Juli 1985 in Langenbroich / Eifel.

Persönlicher Eindruck

"Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der BILD-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich."

Damit beginnt Heinrich Böll seine Erzählung über die Haushaltsgehilfin Katharina Blum. Die junge Frau ist 27 Jahre alt, schön, fleißig und zielstrebig. Zudem vereint sie, wie eine Freundin einst über sie sagte, zwei lebensgefährliche Eigenschaften: Treue und Stolz. Als sie sich auf einem Ball Hals über Kopf in Ludwig Götten verliebt, einen gesuchten Banditen, gerät sie zwischen die Mühlensteine von Justiz und Boulevardpresse. Vier Tage später erschießt sie den dafür verantwortlichen Journalisten in ihrer Wohnung.

Was dazwischen geschieht, berichtet Böll nüchtern und immer mal wieder mithilfe von Rückblenden. Seine Erzählung lebt wenig von Überraschungseffekten und Spannung, dafür umso mehr vom Schrecken, der den sachlichen Stil in der Form eines Berichtes begleitet. Ich war vom ersten Moment an vollkommen gefangen in der dichten Atmosphäre, die er um Katharina und die Menschen, die ihr nahe standen, herum kreiert hat. Ich spürte förmlich, wie das Geschehen sich auf die Eskalation zubewegte und wann der Punkt erreicht und überschritten war, an dem das, was Böll vorwegnimmt, nicht mehr abzuwenden war.

Das Buch gab Gedankenanstöße, die ich heute für aktueller denn je halte - und dabei erschien Die verlorene Ehre der Katharina Blum bereits 1976 in seiner Erstausgabe:

Was ist uns die persönliche Sphäre eines Menschen wert? Entlang welcher ethischer Grundlinien handelt die Presse? Kann Sensation mehr wiegen als Privatsphäre? Welche Spuren hinterlassen Verleumdung, Gerüchte und Sensationsgeilheit in der Seele? Wer glaubt dem gedruckte Wort und wo erscheint es? Und was treibt den Menschen in seinen Handlungen an?

Interessant war auch, wie dem Nachwort Bölls zu entnehmen war, die Reaktion der BILD-Zeitung auf seine Erzählung, die sich schnell den Vorwürfen stellen musste, ein Pamphlet zu sein und den Terrorismus zu verherrlichen:

Sie nahmen einfach die wöchentliche Bestseller-Liste aus ihrer Zeitung, denn Die verlorene Ehre der Katharina Blum wäre darin aufgeführt gewesen. Es wäre lustig, wenn es nicht so traurig und brandaktuell wäre.

Letztendlich war diese Erzählung Bölls sehr beeindruckend. Ein Buch, das es wert ist, auch heute noch immer und immer wieder gelesen zu werden - überall auf der Welt, wenn man nur in die Nachrichten schaut.

20.6.13 18:30
 


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