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Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer - Alex Capus.

Mein herzlicher Dank gilt vorablesen, die mir durch ein Leseexemplar dieses Buches eine Rezension erst ermöglicht haben.

Klappentext

Felix, Laura und Emile:

Ein Jüngling träumt vom Weltfrieden und wird zum Bombenbauer. Ein Mädchen will Sängerin werden und endet als Spionin. Ein Kunststudent geht nach Troja und wird zum größten Fälscher aller Zeiten. Drei Helden wider Willen, die in ihren Niederlagen triumphieren und auf Abwegen das Glück finden.

Nur einmal können die drei einander begegnet sein: im November 1924 am Hauptbahnhof Zürich, wo die Geschichte einsetzt. Danach führen ihre Wege auseinander und bleiben doch auf eigentümliche Weise miteinander verbunden.


Der Autor

Alex Capus wurde 1961 in der Normandie geboren und lebt heute in Olten. 1994 veröffentlichte er seinen ersten Roman Munzinger Pascha, dem seither fünfzehn weitere Bücher folgten, unter anderem Léon und Louise.

Persönlicher Eindruck

In seinem neuesten Buch verwebt Alex Capus drei Lebensgeschichten miteinander:

Die der eigensinnigen Laura d'Oriano, die als älteste Tochter einer Sängerin und eines Pianisten ihrer Mutter nacheifern und doch alles viel besser machen will als diese.

Die des pazifistischen Physikers Felix Bloch, der sich der Kriegsmaschinerie entziehen will und schließlich eine tragende Rolle beim Bau der Atombombe spielen soll.

Und die von Emile Gilliéron, die eigentlich die Geschichte seines Vaters ist, der als junger Mann der Enge des Dorflebens entflohen war und mit seinem Talent der größte Kunstfälscher seiner Zeit werden sollte.

Ich habe mir vom neuen Capus sehr viel erhofft, denn als damals Léon und Louise erschien, hatte ich mich schnell und hoffnungslos in den Stil und die Geschichte des Franzosen verliebt. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer weit hinter diesen Erwartungen zurückgeblieben ist, aber dennoch fesselte mich das Buch nicht in der gleichen Weise wie sein Vorgänger. Vielleicht, weil es schwerer wog. Vielleicht, weil ich mich von dem Versprechen und doch bleiben ihre Wege auf eigentümliche Weise miteinander verbunden habe irreführen lassen. Vielleicht auch, weil die Liebesgeschichte in Léon und Louise die Charaktere hat lebendiger und markanter erscheinen lassen als bei diesem Buch. Jedenfalls war es für mich ohne Frage gut, aber kein ganz so großer Wurf, wie ich erwartet hatte.

Worin Capus aber nach wie vor brilliert, ist seine Recherchearbeit. Nur jemand, der darin so meisterhaft ist wie er, kann später in einer Geschichte die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion so verwischen, dass sie fließend ineinander übergehen, dass Figuren der Geschichte zu Helden des Romans werden. Er ist ein Meister der Es könnte gut sein, dass-Sätze und der Es ist möglich, vielleicht-Gedanken, die den Charme der Geschichte ausgemacht haben. Man stellt sich diese möglichen Wendungen gerne vor und wünscht sich, dass die Protagonisten einander wahrgenommen haben, wenn sie einander doch vielleicht nie begegnet sind. Und auch, wenn mir letztlich die drei Biografien am Ende zu wenig zusammenliefen, so verfolgte Capus doch immer einen roten Faden durch die Erzählung ihrer drei Leben hindurch.

Dass mir letztlich alle drei Protagonisten ein wenig fremd und fern blieben, lag sicher auch an ihren Spezialgebieten. Die Physik Felix Blochs und das Einsatzfeld Emile Gilliérons als Kunstfälscher waren voller Begriffe, die ich noch nie gehört oder bereits in der Schule nicht verstanden habe. Dennoch reichte meine Fantasie und Capus' leicht ironischer Erzählton aus, um auch diese beiden Felder in ihrer Bedeutung in das große Ganze einfügen zu können, das in den 1930er Jahren und darüber hinaus nicht nur die Protagonisten, sondern Menschen auf der ganzen Welt prägte und beeinflusste. Schon eher identifizieren konnte ich mich da mit der verträumten Laura und ihrer Stärke, Entscheidungen zu treffen.

Letztendlich hat Capus mit seinem neuesten Buch ein faszinierendes Werk veröffentlicht. Zwar eines, das mir zu schnell erzählt und doch zu fern erschien, aber dennoch eines, das erahnen lässt, wie groß die Helden waren, von denen es berichtet.

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26.7.13 14:09
 


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