untitled | yvi @ the vision
Lotta Wundertüte - Sandra Roth.

Mein herzlicher Dank gilt vorablesen, die mir durch ein Leseexemplar dieses so wundervollen Buches eine Rezension erst ermöglicht haben.

Klappentext

Lotta - drei Jahre alt, ein Schmoller, ein Schlawiner, blond, zickig, zäh, süß - und schwerbehindert. Wie lebt es sich mit so einem Kind?

"Die macht nichts kaputt", sagt Lottas Bruder Ben, zwei Jahre älter. "Und sie erzählt meine Geheimnisse nicht weiter."

"Ihr Armen", sagen andere auf dem Spielplatz. "Hat der Arzt nicht aufgepasst?"

"Wir packen das", sagen sich Lottas Eltern. "Nur wie?"

Ein ehrlicher Bericht über Familie, Mut, Leiden und Lachen - und die Frage: Was zählt im Leben?


Die Autorin

Sandra Roth, geboren 1977, studierte Politikwissenschaften und Medienberatung in Bonn, Berlin und den USA. Nach ihrem Diplom absolvierte sie die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg und arbeitet seitdem als freie Autorin, u. a. für Die Zeit, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Brigitte. Ihre Themen reichen von Wissenschaft und Bildung bis zu Kultur und Technik. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Köln. Lotta Wundertüte ist ihr erstes Buch.

Persönlicher Eindruck

Ich habe schon seit längerer Zeit kein Buch mehr gelesen, von dem ich mir sicher war, dass meine Rezension diesem niemals gerecht werden könnte. Lotta Wundertüte war genau so ein Buch - echt und authentisch, erschreckend und beeindruckend, fröhlich und auf ganzer Linie wundervoll.

Was Sandra Roth in ihrem Debüt gibt, ist ein sehr intimer Einblick in das Innenleben ihrer kleinen Familie. Sie erzählt viel und wirft noch mehr Fragen auf - wichtige Fragen, über die es sich nachzudenken lohnt. Der Ton, den sie dabei wählt, hat oft etwas Leichtes, manchmal etwas Ironisches, ab und an etwas Bitteres und Verängstigtes, aber er ist immer mit sehr viel Liebe zum Detail gewählt. Schwarzweiß ist das Leben seit Lotta nur noch selten und Antworten auf die Fragen, die das Leben und die Autorin aufwerfen, sind oft ebenso bunt und komplex wie der Inhalt einer Wundertüte. Wie Lotta selbst eben.

Die Themen in diesem Glanzstück von Literatur reichen von Wut über Angst, von Schuld über Stolz und von wertvollen Freunden bis hin zu taktlosen Mitmenschen, bis sie schließlich alle irgendwann bei der Liebe landen, die eine Familie in ihrem Kern zusammenhält. Und das niemals trotz oder obwohl einer Behinderung, sondern einfach weil Lotta die Tochter und kleine Schwester ist, die sie ist, in all ihrer Komplexität. Sandra Roth zeigt auf, dass noch niemand von uns einen universellen Vertrag über Gerechtigkeit und Unrecht unterschrieben hat:

"An diesem Abend beginnen wir mit dem Schicksal zu verhandeln. Lass uns das Reden, das Verstehen, den Rollstuhl können wir akzeptieren, aber lass uns ein Lächeln. Wir erstellen eine Hierarchie dessen, was wir uns für unsere Tochter wünschen. Wir versuchen, unsere Ansprüche nach unten zu schrauben. Die Verhandlungen werden sich über die nächsten Jahre ziehen."

Ein Buch, das es mir als Rezensentin sehr schwer gemacht hat, es in nur wenige Worte zu fassen. Stattdessen möchte ich es nehmen und so vielen Menschen wie nur möglich in die Hand drücken, damit es immer und immer und immer wieder gelesen wird.

27.8.13 23:17
 


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